Dienstag, 17. Mai 2011

Menschentypen: 6) Der Aufopferer

Die Bezeichnung an sich beschreibt den Aufopferer schon recht zutreffend. Er stellt seine Wünsche stets hinten an, um sich zunächst einmal den Sorgen und Bedürfnissen anderer zu widmen. Es jedem Recht machen zu wollen, ist jedoch nicht immer leicht und so setzt er sich permanent selbst unter großen Druck. Oftmals finden sich Workaholics unter diesem Menschentypus.

Die Folgen der devoten Grundeinstellung des Aufopferers hat George Bernard Shaw richtig erkannt: ’’Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast.’’

Doch die angestauten Hassgefühle sind noch nicht sämtliche Konsequenzen. Der Aufopferer läuft auch stets Gefahr, am sogenannten Burnout-Syndrom zu erkranken. Antriebslosigkeit, Schwächegefühl und eine innere Leere sind dann die Folge.

Daher ist es für ihn extrem wichtig, den Kreislauf zu durchbrechen und einen kleinen Schritt hin zu mehr Egoismus zu wagen. Nur, wenn man hin und wieder gezielt an sich selbst denkt und auch mal ’’Nein!’’ sagt, kann man auf Dauer die innere Zufriedenheit finden. Wer das jedoch übertreibt, kann schnell zum Egoisten werden. Es ist also eine schmale Gratwanderung hin zur optimalen Balance zwischen Geben und Nehmen.


Wer von euch kennt so jemanden?

Kommentare:

  1. Eine solche sich voll aufopfernde Person habe ich mal gekannt. Und eigentlich hatte ich nur Mitleid mit ihr.
    Aber auch wenn das "mit leiden" okay und sie überhaupt nicht zufrieden war, ändern wollte oder konnte sie an ihrer Situation nichts.

    Wie Hans Curt Flemming sagte: "Es gibt viele Gründe, alles beim Alten zu lassen, und nur einen einzigen, doch endlich etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus!"

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  2. Diese Äußerung von Hans Curt Flemming ist richtig weise und trifft es auf den Punkt! Der Punkt an dem der Aufopfernde es nicht mehr aushält ist der, wo er einen Zusammenbruch erleidet.
    Erst danach geht es meist erst zur Therapie oder es werden autonom spontane radikale Änderungen vorgenommen (die meist aber nicht langfristig bleiben).
    Ich kenne leider auch so jemanden und mache mir ernsthafte Sorgen ...

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  3. Aufopfernde opfern sich oft nicht selbstlos auf, sehr viele fordern für Ihr Aufopfern einen hohen Preis.... und das macht sie für andere meist ziemlich unangenehm....

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  4. Das kann ich verstehen, dass du dir Sorgen machst, Su.
    Aber vermutlich kannst du allenfalls helfen, wenn der Zusammenbruch schon gekommen ist. Denn an diesen Änderungs-Punkt können die Leute (leider) nur alleine kommen. Und vorher lassen sie sich einfach nicht helfen.
    Und sie haben sicherlich auch Angst vor einer Veränderung, deren Ergebnis sie sich einfach nicht vorstellen können.
    Und sie gehen zum Teil, wie Timeless schon sagt, in ihrer "Opfer-Rolle" auf. Und was würde ihnen dann bleiben? Im Zweifelsfall, dass sie gar keine Rolle mehr spielen.

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  5. Es gibt den Fall, dass man als Partner die Pflege eines kranken Menschen übernehmen muss, dann bleibt vielen nichts anderes übrig, als sich aufzuopfern...

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  6. Das ist dann aber schon der schlimmste Fall: dieser Mensch ist nicht wirklich von sich aus aufopfernd, sondern wird durch Liebe, Dankbarkeit, Pflichtgefühl oder was auch immer in diese Rolle reingebracht. Und da kommt man fast noch schwerer wieder raus, aus den gleichen Gründen.

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  7. Der Aufopfernde, den ich meine, ist übrigens männlich. Er fordert auch keinen hohen Preis als Gegenleistung für seine Handlungen, sondern tut es nur, weil er eben so ist, es nicht anders kennt und v.a. wohl nicht anders kann (seine Mutter ist übrigens genauso).
    Zudem geht er auch nicht in seiner Opferrolle auf ;)
    Ich glaube ja, dass ein großes Verantwortungsbewusstsein dieses Helfersyndrom bei einem Menschen auslöst ... er/ sie fühlt sich für alles verantwortlich und zuständig. Klar, dass das dann zu einer Überforderung führt, wenn man auch noch alles 'richtig' machen will..

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  8. Da SCHEINT eine Überforderung tatsächlich vorprogrammier, aber ich glaube, jeder Mensch muss seinen eigenen Weg gehen und finden und seine eigenen Erfahrungen sammeln, um daran zu wachsen.

    Und dann ist da noch die Frage, was löst dieser Mensch bei Dir aus und warum löst er es aus.

    Ich habe das GLÜCK, ziemlich unterschiedliche Menschen in unterschiedlchen Lebenssituationen zu kennen und zu erfahren.

    Ich glaube einfach, wir leben alle auf verschiedenen Ebenen und die auf der gleichen Ebene leben, die sind einem sympathisch... oder kommen einem bekannt vor....

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  9. Naja, ich finde ja nicht, dass man sich zwingend auf der gleichen Ebene befinden muss, um sich sympathisch zu sein. Gerade die Ecken und Kanten anderer faszinieren einen doch besonders!
    Ich komme z.B. grundsätzlich mit Menschen, die die exakt gleichen Charakterzüge wie ich aufweisen, überhaupt nicht klar. Da gibt es einfach zuviele Reibepunkte ;)
    Gleiche Interessen sind allerdings eine andere Sache. Das verbindet tatsächlich ... siehe IKEA bei uns :)

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  10. Mit gleicher Ebene meine ich nicht die, die so sind wie ich, mit denen hätte ich auch meine Schwierigkeiten, sondern die, die anderen gebenüber die gleiche Toleranz und Akzeptanz empfinden, die andere Lebensweisen tolerieren, nicht urteilen, sondern hinschauen und hinterfragen.... Ich kenne eine Frau, der mit Engeln spricht und auch Antworten erhält. Ich weiß nicht wie es funktioniert, aber ich erkenne es an.... und nehme es ernst.

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  11. Wie sagte Dr. House so schön:
    ''Wenn man zu Gott spricht, ist man religiös. Spricht Gott zu einem, ist man verrückt!''

    Ich halte ja so einiges für möglich ... es gibt auf dieser Welt sicherlich Verrückteres, als sich mit Engeln zu unterhalten ;)

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  12. Das stimmt wohl und ich lerne jeden Tag gerne dazu.
    Und auf Dr. House freue ich mich - also treffen wir uns nachher beim Fernsehen :-).... so kurz nach 21.00 h...

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