Mittwoch, 16. Januar 2013

Filmkritik: Silver Linings

Vor knapp anderthalb Wochen sind wir gespannt in dieses inzwischen achtfach oscarnominierte Kinoereignis (bester Film, beste Regie, bester Haupt- und Nebendarsteller, beste Haupt- und Nebendarstellerin, bestes adaptiertes Drehbuch und bester Schnitt) gepilgert.
Ob der Film seinen Eintrittspreis wirklich wert ist und die Nominierungen auch tatsächlich gerechtfertigt sind, erfahrt ihr in meiner nachfolgenden Rezension ;)




HANDLUNG:

Man ahnt es sicher schon: es geht in diesem Film wieder einmal um einen Mann, eine Frau und diverse Gefühle zwischen den beiden.

Ganz so überschaubar und unkompliziert ist das Ganze dann allerdings doch nicht gestrickt, denn die beiden Protagonisten haben jeweils ihr eigenes, schicksalbeladenes Päckchen zu tragen. Das macht das Ganze natürlich trotzdem nicht weniger vorhersehbar ;)

Pat (Bradley Cooper) kommt frisch aus der Klaps... äh pardon ... Nervenheilanstalt, in die er aufgrund eines äußert rabiaten Tätigwerdens gegen den Liebhaber seiner Frau eingewiesen wurde. Fortan muss er sich ständig mit seiner bipolaren Störung - möglichst heilungswirksam - auseinandersetzen, was bei einem wettsüchtigen Vater (Robert De Niro), der die Verantwortung für seine teilweise existenzbedrohenden Einsätze gerne mal an den Sohn abtritt, nicht gerade einfach ist. Zudem hat sich Pat das irrationale Ziel gesetzt, seine Exfrau wieder für sich zu gewinnen, die in der Zwischenzeit eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt hat.

In diesem verletzlichen Zustand trifft er ausgerechnet auf Tiffany (Jennifer Lawrence), die eine sexsüchtige und depressive Phase aufgrund des unerwarteten Todes ihres Ehemanns durchlebt.
Schnell werden die beiden Freunde ... oder sind sie in erster Linie doch eher Nutznießer des jeweils anderen?!? Tiffany willigt nämlich ein, Briefe von Pat an seine Exfrau weiterzuleiten, wenn er sich im Gegenzug dazu bereit erklärt, mit Tiffany an einem Tanzwettbewerb teilzunehmen. Quasi eine Win-Win-Situation, wenn da bloß nicht das gute alte Gefühlschaos wäre :)

Und jaaaa, sie kriegen sich am Ende natürlich doch noch irgendwie! *g*


Pat (Bradley)


FAZIT:

Es handelt sich hierbei um eine kleine Filmperle, deren Glanz überraschenderweise nicht von der Vorhersehbarkeit des Filmendes getrübt wird.
Obwohl der Trailer eine Komödie vermuten lässt, überwiegen meiner Meinung nach ganz leicht die Elemente eines Dramas. Trotz allem sind etliche Szenen absolut zum brüllen und wer bei keiner einzigen davon die Mundwinkel (mind.) zu einem Lächeln verzieht, der muss ein Cyborg sein - so wahr ich hier schreibe! :)

Etwas bemängeln möchte ich allerdings das Filmende und meine damit jedoch nicht die Tatsache, dass sich das Pärchen doch noch findet. Vielmehr stört mich das moralisch nicht ganz vertretbare Dilemma, dass Daddy am Schluss weiterhin unbesonnen seiner Wettsucht frönen kann und dass das gegenseitige kalkulierte und unreflektierte Ausnutzen von Pat und Tiffany als völlig okay und absolut frei von Konsequenzen dargestellt wird.
Kann es denn wirklich Liebe sein, wenn ich den angeblichen Mann meines Herzens manipuliere, belüge und erpresse, damit ich an einem Tanzwettbewerb teilnehmen kann und kann es sich tatsächlich um Liebe handeln, wenn ich mich mit meinem Gegenüber nur deshalb abgebe, um meine Exfrau von meiner geistigen Heilung zu überzeugen bzw. Zugang zu ihr zu erhalten?
Ich glaube, hier könnten die Antworten NEIN und nochmals NEIN durchaus vertretbar sein. Da reicht es eben nicht aus, wenn Pat am Ende versöhnlich von Tiffany als ''... jemand ..., der mindestens genauso verrückt ist wie ich'' spricht.

Der Cast ist allerdings wirklich grandios ausgewählt und Jennifer hat sich ihren Golden Globe als beste Hauptdarstellerin definitiv mehr als verdient! Bradley Cooper überraschte mich schauspielerisch gesehen äußerst positiv (wenngleich noch nicht 100-prozentig oscarwürdig) und Robert De Niro ist zudem auch wieder einmal in seinem Element, wo er doch erneut eine schrullige Extremfigur mimen darf.
Die Oscar-Nominierung von Jacki Weaver als Pats Mutter hat mich allerdings ein klein wenig verblüfft. Meiner Meinung nach hat sie A) keinen mimisch oder gestisch schwer zu spielenden Part übernommen und B) erschien sie mir in ihren recht überschaubaren Auftritten deutlich blasser im Vergleich zur restlichen Besetzung zu sein. Böse Zungen könnten hier jetzt meinen, dass es für eine Oscarnominierung offenbar bereits genügt, wenn man Teil eines hochkarätigen Ensembles in einem Drama ist...

Regie, Schnitt und Drehbuchadaption vermag ich im Übrigen nicht zu beurteilen, aber ich kann mir schonmal nicht vorstellen, dass das der beste Film seit einem Jahr gewesen sein soll. Da fällt mir spontan u.a. 'Ziemlich beste Freunde' ein, der nochmal um einige Längen besser war und von der Academy einfach mal bei den Nominierungen komplett übergangen worden ist (also sogar bei den Nominierungen für den besten ausländischen Film). Eine absolute Frechheit!

Die 11 Nominierungen für den Preis der Goldenen Himbeere für die aktuellste - und zum Glück auch allerletzte - Twilightfolter unterstütze ich hingegen voll und ganz, auch ohne diesen filmischen ... nunja ... Erguss überhaupt gesehen zu haben.
Teil 1 hatte mich damals bereits in einen Schockzustand versetzt, den man wohl am ehesten auch beim Erblicken eines Autounfalls erlebt: man ist zwar einerseits völlig (über die Schauspielleistungen und die Story) entsetzt, kann aber andererseits (aufgrund des sich aus dem ersten Klammerinhalt ergebenden Unterhaltungswertes) kaum wegschauen, weil das Gesehene (und erst recht die Texte!!!) einem einfach viel zu irrational erscheint. Teil 2 bis(s) Teil-schlag-mich-tot hatte ich mir dann aber nicht mehr zugemutet, weil ich ein exponentielles Upgrade des schauspielerischen Könnens der Protagonisten für äußerst abwegig hielt (bzw. noch immer halte) und definitiv keine Masochistin bin :)


Tiffany (Jennifer Lawrence)


Kommentare:

  1. Tja, ich weiß nicht... hört sich nach einer nichtssagenden Handlung an. Da gibt´s vielleicht interessantere Filme. Aber irgendeinen Grund müssen die Nominierungen ja haben.
    Wahrscheinlich werde ich einem anderen Film den Vorzug geben, wenn ich mal wieder ins Kino will.

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    1. Also wie bereits geschrieben: das war wirklich ein guter Film ... und auf einer Scala von 1 bis 10 meiner Meinung nach 7 Punkte wert ;)
      Dieses WE gehe ich übrigens in 'Django unchained' - vielleicht wäre der ja eher was für dich? Ich persönlich würde wohl sonst eher nicht in diesen Film gehen, aber der tMdW will den halt unbedingt schauen :)

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    2. Jetzt bin ich hier zufällig drübergestolpert und schließe mich Judy an, der Film hat mich nicht gereizt, weil so nichtssagend.

      Gesucht habe ich aber den Artikel in dem du über Entscheidungsschwierigkeiten schreibst. Wo isser? :D

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  2. Genau, Judy! Ich dachte bei der Beschreibung auch eher an "den großen ZDF-Sonntagsfilm - Herzkino im Zweiten" als an einen Oscar-Anwärter.... . ;)

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    1. Also so schlimm ist er ja nun auch wieder nicht! xD
      Ich wollte den wirklich nicht so zerreißen...

      Habt ihr euch den Trailer eigentlich überhaupt mal angeschaut? Eine so richtig typische 08/15 Schnulze hätte man sicherlich anders promoted ;)

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  3. Ich werde den Film jetzt wohl am Oscarabend auf DVD gucken. Zur Einstimmung sozusagen ... Bin mal gespannt und gehe ohne Vorurteile an den Film heran ;-)

    Heute Nachmittag war ich in "12 Years a Slave" - sehr, sehr heftiger Film - werde heute Nacht bestimmt davon träumen - aber zu Recht Oscar-nomminiert.

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    1. Ich glaub, das passt. V.a. auch deshalb, weil sowohl Jennifer Lawrence als auch Bradley Cooper dieses Jahr für 'American Hustle' jeweils wieder als beste (dieses Mal aber Neben-) Darsteller nominiert sind :)

      '12 Years a Slave' würde mich persönlich ja auch sehr reizen, jedoch zeigt sich meine bessere Hälfte bisher noch nicht wirklich begeistert von der Idee. I'll work on it! xD

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