Freitag, 22. November 2013

Aufreger der Woche: (Internet-)Zensur

Etwas, das mich nun bereits seit längerer Zeit in große Besorgnis versetzt, möchte ich heute gerne mal zum Thema machen.

Es betrifft das Unterdrücken von unerwünschten Meinungen, deren Informationsgehalt möglicherweise zu einem Umdenken oder zumindest einem Hinterfragen von öffentlichen Darstellungen auf Nachrichtenplattformen führen könnte. Die Rede ist von gezielt eingesetzter Zensur (sog. Informationskontrolle) von Internetseiten, welche z.B. auf web.de in den letzten Monaten leider gut zu beobachten war.
Anhand dieses Beispiels werde ich jetzt einfach mal meine Erkenntnisse mit euch teilen.

Noch vor gefühlt einem Jahr konnten web.de-User zu sämtlichen Beiträgen umfangreich ihre Meinung hinterlassen (nur mal kurz zur Klarstellung: ich bin dort zwar nicht registriert, aber als Leser zumindest mittelbar von dieser Funktion aufgrund ihres Informationsgehalts betroffen).
Später hatte die Nachrichtenplattform dann gehäuft die Kommentarfunktion bei einzelnen Artikeln nachträglich deaktiviert (und somit dann immer auch alles bis dahin Niedergeschriebene gelöscht), sobald dort unangenehme Fragen aufgeworfen oder die gemachten inhaltlichen Angaben im Beitrag durch diverse Meinungen nachweisbar als falsch deklariert wurden. Wohlgemerkt, ohne dass diese Kommentare beleidigende oder anderweitig sperrwürdige Inhalte aufwiesen.

Vor ca. einem halben Jahr konnte man dann bereits bei Beiträgen aus ganz bestimmten Themengebieten von Beginn an grundsätzlich gar keine Meinung mehr hinterlassen, bei Völksverblödungsthemen, wie es beispielsweise Artikel über Stars und Tratsch für mich persönlich sind, hingegen schon.

Mir fiel recht schnell auf, dass es sich bei den heiklen gesperrten Themen überwiegend um folgende handelte: Syrienkonflikt und NSA-Datenspionage-Affäre.
Die klare Verbindung dieser beiden findet man relativ schnell in einer Weltmacht jenseits des Atlantiks. Wer das Ganze jetzt noch etwas weiterspinnen möchte, der sollte sich vielleicht mal grob über den Betreiber der web.de-Plattform informieren ;)

Bis vor wenigen Tagen waren dann eine recht lange Zeit über zu keinem einzigen Beitrag mehr Kommentare möglich. Ich vermute mal ganz stark, dass die auffällig vielen abgegebenen Meinungen à la ''Zu dieser dummen Angelegenheit darf ich mich also äußern, aber zu der wichtigen Thematik X nicht.'' zu diesem Schritt führten. Vielleicht wollte man aber somit auch einfach den Eindruck von Willkür beseitigen.

Möglicherweise haben rückgängige Besucherzahlen (das vermute ich jetzt einfach mal ganz stark) und ein momentan spürbares Abflauen des Presseinteresses an den o.g. heißen Themengebieten kürzlich zu dem neuerlichen Freischalten der Kommentarfunktion (wenngleich erstmal nur bei vereinzelten harmlosen Artikeln) geführt.

Bin gespannt, wie sich das Ganze bei web.de zukünftig weiterentwickeln wird.

Unter Zensur versteht man aber natürlich auch ein gezieltes Weglassen von Informationen in den Artikeln selbst oder aber ein bewusstes Verfälschen der Tatsachen. Mir ist dieses Vorgehen ganz besonders bei den beiden heiklen - oben bereits genannten - Themen und selbst bei Artikeln im Vorfeld zur diesjährigen Bundestagswahl und auch zur Eurokrise aufgefallen.

So langsam müsste es jedem dämmern, dass es neben Judikative, Exekutive und Legislative noch eine weitere Gewalt in Deutschland gibt: die Medien.
Als extrem wirksames Machtinstrument (meiner Meinung nach das stärkste überhaupt) kann es nicht nur die breite Masse zu einer gewünschten Einstellung bewegen, sondern sogar die anderen drei Gewalten massiv beeinflussen und sich bei Bedarf gefügig machen.

Mir ist dabei natürlich bewusst, dass selbst mein recht unbekannter kleiner Blog mit in die Sparte der Medien fällt.
Ich werde jedoch auch weiterhin die Meinungsfreiheit meiner kommentierenden Leser - die ich allesamt im Übrigen sehr schätze - respektieren und Kommentare daher nicht löschen, solange sie nicht beleidigend sind oder Informationen zu meiner Identität (also zu der im echten Leben) enthalten.
Okay, letztens hatte ich tatsächlich mal einen noch zu moderierenden Kommentar entfernt, der zu einem älteren Post gehörte. Bin da leider aus Versehen aufs falsche Kästchen gekommen und konnte ihn danach nicht mehr wiederherstellen (Falls du das hier liest: Es tut mir wirklich leid, liebe P.! Habe deine Anmerkung aber direkt noch umgesetzt, denn du hattest natürlich völlig Recht *g*).
Vor Kurzem habe ich hier aber auch einen Kommentar zu lesen bekommen, der mich im ersten Moment leicht fassungslos und im zweiten dann einfach nur noch traurig gestimmt hat. Den habe ich natürlich trotzdem stehen gelassen, obwohl ich ihn ein wenig unangebracht fand.

Ich kenne jedoch auch einen Blog, bei dem seit ein paar Monaten sämtliche Kommentare moderiert werden. Hier lag der Grund offenbar darin, dass es einigen langjährigen Lesern sauer aufgestoßen war, dass der Blog zu einer reinen Reklame verkommen ist. Tatsächlich: in praktisch jedem Post hatte man gesponserte Artikel von großzügigen Shops ausführlich gezeigt bekommen, die alle ausnahmslos in den Himmel gelobt wurden. Statt sich der angesprochenen Thematik zu stellen, wurden die Kritiker durch die Moderation mundtot gemacht. Ich persönlich halte von solch einem Vorgehen nicht viel, zumal die kritischen Stimmen damals durchaus sachlich geblieben waren. Eine nachträgliche Moderation finde ich da deutlich sympathischer, aber das kann natürlich jeder so handhaben, wie er es gerne möchte :)

Wo ist euch denn in letzter Zeit irgendeine Form von Zensur aufgefallen/ sauer aufgestoßen?
Und wie steht ihr eigentlich generell zu dieser ganzen Thematik?

Kommentare:

  1. Ja das kenne ich, wenn man mal anderer Meinung als die LVZ ist, zack weg mit dem Kommentar und die Gesamtheit der Kommentare ergibt dann schnell keinen Sinn mehr. Oder gleich keine Kommentarfunktion mehr.
    Schönen Sonntag

    Ramona

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Echt? Die Leipziger Volkszeitung ist ebenfalls im Zensurwahn?
      Ehrlich gesagt hätte ich dort noch fast mit am wenigsten damit gerechnet, da ich von ihr bisher eigentlich immer viel gehalten habe.
      Jetzt allerdings nicht mehr.

      Worum ging es denn damals inhaltlich in deinem Kommentar? Bei mir kannst du das gerne nochmal (am besten im Zusammenhang mit dem groben Inhalt des offenbar unrichtigen Artikels) wiedergeben - ich lösche das dann auch nicht ;)

      Hab auch noch einen schönen (Rest-)Sonntag, liebe Ramona!

      LG Su

      Löschen
  2. Bei t-online ist das auch so... . Aus meiner Medienerfahrung kann ich sagen... eigentlich findet in den meisten Medien Zensur statt... nicht immer kommt die von staatlichen Behörden... darunter fällt auch die bei einigen Lokalzeitungen beliebte Ansage.. "wir sind die Zeitung aus xy und deshalb darf nur positiv über Sachen in xy geschrieben werden". Oder man schreibt über ein Unternehmen nicht negativ, weil es so viel Werbung schaltet... . ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Den letzten von dir angesprochenen Punkt findet man auch im Bloggerbereich recht häufig vor. Erstaunlich, wie schnell die Objektivität hinsichtlich gesponserter Dinge flöten geht :)

      Löschen