Mittwoch, 22. Oktober 2014

Aufreger der Woche: Kommt bald das MDV-Zwangsticket?

Vor knapp fünf Tagen ist ein Thema aufgekommen, das ich so eigentlich nicht auf dem Radar hatte.

Aufgrund einer jährlich ansteigenden Finanzierungslücke von derzeit schätzungsweise 180 Millionen Euro (!) hat Steffen Lehmann - Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) - vorgeschlagen, jeden Einwohner Leipzigs mit einem sogenannten Bürgerticket zu belasten. 20 € soll dieses kosten, wobei man im Gegenzug eine kostengünstige Flatrate für die Bus- und Straßenbahnnutzung bekäme.

Alternativ wurden auch eine Verteuerung der Parkplatztickets, Grundsteuererhöhungen oder weitere Erschließungsbeiträge beim Grundstücksverkauf für Wohnhäuser angeregt.

Grundsätzlich finde ich die Idee des günstigen Pauschalpreises ja keineswegs schlecht, denn wo bitte bekommt man denn sonst ein derart günstiges Monatsticket?

Problematisch sehe ich hier allerdings die Abgaben für Personen, die die öffentlichen Verkehrsmittel überhaupt nicht nutzen - aus welchen Gründen auch immer. Für sie stellt das Ganze eine finanzielle Mehrbelastung ohne faktischen Gegenwert dar. Auch Familien mit Kindern würden wahrscheinlich sehr unter einer derartigen Regelung leiden.
Sogar meine bessere Hälfte und ich haben uns damals z.B. extra eine gemeinsame Wohnung gesucht, von der aus wir nur ca. 22 Minuten zu Fuß in die Innnenstadt brauchen (um somit häufig auf das Auto und andere Verkehrsmittel verzichten zu können) und wenn ich meine Großeltern am anderen Ende der Stadt mal besuchen möchte, dann will ich dafür auch nicht jedes Mal über eine Stunde meiner Zeit pro Strecke opfern müssen (inklusive sinnloser Warterei durch das Umsteigen). Für Großeinkäufe oder die ca. aller zwei Wochen stattfindenden Besuche im Heimatdorf meines Liebsten sind wir zudem sowieso aufs Auto angewiesen. Ohne ginge es also nicht.

Was mir zudem in diesem Zusammenhang aber ebenfalls noch Sorgen bereitet, sind die erfahrungsgemäß rasch ansteigenden Ticketpreise des MDV, wodurch es mit Sicherheit nicht lange bei diesen 20,- € bleiben würde. Ich erinnere mich noch gut an das damals von mir genutzte Semesterticket, das jedes halbe Jahr immer wieder deutlich teurer gemacht wurde, bis ich dann vollständig auf mein Auto umstieg, weil es mir einfach zuviel wurde und sich nicht mehr rechnete.

Hier noch ein entsprechender Artikel des mdr zum Thema: *klick*

Wie steht ihr eigentlich zu dem Ganzen? 
Wie würdet ihr reagieren, wenn man solch ein Zwangsticket auch in eurer Region einführen würde?

Kommentare:

  1. Das ist ja wohl ´ne Frechheit, bloß weil die nicht wirtschaften können, soll jeder mal was zugeben. Wenn das jedes Unternehmen machen würde....
    Wenn Unternehmen und Arbeitgeber was zuschießen (siehe Link) ist das schon was anderes, da ist das sicher auch indirekt zu ihrem eigenen Nutzen.
    Und irgendwie erinnert mich das an die Fernsehgebühren, auch so´ne Sache, die überhaupt nicht mehr berechtigt ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie bei der GEZ (und auch bei der drohenden PKW-Maut für jedermann) scheint es sich hier wieder um eine typische Zwangsabgabe zu handeln und für Steuern hat eigentlich der Bund die Gesetzgebungskompetenz (nicht die Länder).
      Aber wo viel Geld zu holen ist, ist meist auch ein Weg :(
      Ich sag nur so viel: wenn sich das Modell hier tatsächlich durchsetzen sollte, werden andere deutsche Städte mit Sicherheit schon sehr bald nachziehen...

      Löschen
  2. Ich glaube nicht an so ein Zwangsticket, denn wenn jeder Busse und Bahnen EIGENTLICH kostenlos nützen würde, käme es sicher bald zu einem Chaos, da Busse und Bahnen völlig überfüllt wären....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. 'Jeder' ist davon ja auch gar nicht erfasst. Was ist mit Besuchern, die hier gar nicht wohnen?
      Man braucht also weiterhin Serviceschalter und Kontrolleure ... also nichts mit Kosteneinsparungen in siesen Segmenten.

      Überfüllte Straßenbahnen/Busse würden zu einem Mehrbedarf an Linien und ggf. zu einer höheren Fahrtenfrequenz führen. Dafür braucht man dann wieder mehr Personal und Straßenbahnen/ Busse. Die müssen aber auch erstmal finanziert werden und hoppla ... dann steigen die Monats(zwangs)tickets schon eklatant im Preis. Nicht einbezogen die steigenden Energie- und Lohnkostenentwicklungen, die wiederum auch zu einer fortwährenden Verteuerung führen.

      Um wirklich wirtschaftlich zu sein, müsste stattdessen bei ein paar Linien der 10-Minuten-Fahrtenrhytmus in ein 15- oder 20-Minuten-Intervall umgestellt oder vielleicht ein paar Kontrolleure weniger eingesetzt werden. Ich wurde letztens auf einer Strecke (5 Haltestellen) gleich zweimal kontrolliert. Das kann ja auch nicht Sinn und Zweck sein, oder? ;)
      Die Stundentickets würde ich zudem von derzeit 2,40 € auf 3,- € anheben. Selbst das wäre im Vergleich zu Berlin noch sehr günstig.

      Löschen
    2. Wenn alle Busse und Bahnen kostenlos sind und niemand kontrolliert, könnten auch Touristen kostenlos fahren.....na ja ich sage mal Chaos pur.....aber die Politiker - vor allem, die, die öffentliche Verkehrsmittel nie benützen.... fabulieren manchmal gerne....:-)

      Löschen
    3. Oh, ich glaube, du hast da irgendetwas falsch verstanden. Bitte nochmal lesen: ich schrieb in meinem vorherigen Kommentar davon, dass man aus wirtschaftlichen Gründen vielleicht ein paar Kontrolleure weniger einsetzen sollte und nicht, dass man völlig auf sie verzichten soll ;)
      Es gibt momentan einfach viel zu viele im Einsatz (was mein oben aufgeführtes Beispiel auch nochmal verdeutlichen sollte) und wenn man bedenkt, dass die ja auch alle bezahlt werden müssen, ist klar, wie derartige Finanzierungslücken entstehen.

      Steffen Lehmann ist übrigens kein Politiker, aber er würde das Ganze gerne zum Politikum machen, damit wir Bürger für die Folgen seiner Misswirtschaft mit herangezogen werden. Ich weiß nur, dass FDP und CDU relativ ungehalten auf seine Vorstöße reagiert haben. Trotzdem ist klar, dass irgendeine Lösung für dieses Problem im öffentlichen Nahverkehr gefunden werden muss. Ein guter Anfang wäre z.B., diesem werten Herren den Geschäftsführerposten zu entziehen :)
      Ansonsten bleibe ich dabei: das Stundenticket für derzeit 2,40 € ist in meinen Augen viel zu günstig!

      Löschen
    4. Warte mal alles in Ruhe und Gelassenheit ab....meist wird der Brei nicht so heiß gegessen, wie er gekocht wird.....:-)

      Löschen
  3. Die hier die Ticket-Preise eh schon unverschämt teuer sind, fahre ich eh immer mit dem Auto. Bei so einer Zwangsabgabe würde ich deshalb rebellieren, warum soll ich für etwas zahlen das ich nicht nutze?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei der GEZ ist es doch dieselbe Situation: wir nutzen hier weder ARD, ZDF, mdr, WDR und wie sie sonst noch alle heißen und trotzdem bezahlen wir dafür über 17 € im Monat. Mir wäre es lieber, die würden diese entsprechenden Sender verschlüsseln, sodass sie nur von den wahren Zuschauer gegen Gebühr gesehen werden können. Diese Möglichkeit ist aber offenbar nicht lukrativ genug.
      Auf jeden Fall ist die GEZ eine typische Steuer.

      Löschen
  4. Ich bin ja nicht aus deiner Region, aber wenn ich jetzt mal die GEZ ranziehe, deren Konzept ich als ähnlich empfinde, bin ich gegen Zwangsabgaben (wobei ich meine GEZ-"Steuer" freiweillig entrichten würde, da ich das Angebot auch nutze und für gut befinde).

    Abgesehen von den ohnehin erhobenen Steuern dürfte es in meine Augen keine extra-Pflichtbeiträge geben. Mich hat schon am Semesterticker an der Uni genervt, dass auch ich, als Autofahrer, die 80€ (von damals 120€ insgesamt) für's Busticket berappen musste, aber das konnte ich akzeptieren, meine Uni und alles damit Verbundene war/ist super und dass man bei den Beiträgen nicht mit Gruppierungen anfängt ist bei den günstigen deutschen Studiengebühren absolut in Ordnung. Aber zurück zu GEZ und dem MDV-Ticket: not okay. Jeder sollte selbst entscheiden was er nutzt und dann dafür zahlen. 20€ im Monat mag zwar echt günstig sein, aber bei nem Haushalt Mama, Papa, Kind ist man dann schon bei 60 und außer Kind nutzt vielleicht keiner die Öffis und der alte Kinder-Tarif wäre billiger als 60€ im Monat. Schätze ich ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da haben wir ja wieder die GEZ. Das Ganze ist tatsächlich vergleichbar ;)

      Die Öffentlich-Rechtlichen sind für mich z.B. auch deshalb schon lange keine wirkliche Option mehr, weil man auch dort recht deutlich merkt, dass die Nachrichten keineswegs mehr objektiv sind, sondern offensichtlich von Washington gesteuert. Das verfehlt jedoch ganz klar ihren eigentlichen Zweck :(

      Für Familien sehe ich ehrlich gesagt auch schwarz. Falls man jedoch (und damit rechne ich beinahe auch) die Kinder bis 14 J. von dem Bürgerticket ausklammern sollte (oder für sie eine nur halb so teure Alternative anbietet), würden die Kosten für alle anderen wiederum steigen.
      Ich bin wirklich gespannt, wie sich das Ganze noch entwickeln wird :)

      Löschen
  5. Mhm. Also. Um ehrlich zu sein würde ich das ziemlich gut finden. Denn ich denke, dass Mobilität eine Art Grundbedürfnis ist und für wirklich jeden erschwinglich sein sollte. Eigentlich fände ich es sogar gut, wenn Busse und Straßenbahnen komplett kostenlos bzw. steuerfinanziert wären. Die öffentlichen Straßen sind es ja schließlich auch: Die bezahle ich ja auch mit, obwohl ich kein Auto habe und sie nicht nutze - da finde ich es nur gerecht, wenn im Gegenzug Autofahrer auch was für das öffentliche Verkehrsnetz zahlen würden.

    Das schont auf Dauer nicht nur die Umwelt, weil öffentliche Verkehrsmittel vermutlich mehr genutzt werden würden, sondern wirkt sich sicher auch auf das kulturelle Leben einer Stadt aus. Viele Menschen, die finanziell bedingt momentan so mehr oder weniger in ihrem Rand(Stadtteil) gefangen sind, könnten am Leben in der Stadt teilnehmen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Autofahrer zahlen in meinen Augen bereits mehr als genug.
      Denk an Steuer, Versicherung, Benzin, Parkgebühren, Reparaturkosten, Nummernschilder, TÜV, AU, Anmeldegebühr, Umweltplakette, Führerschein, etc. ... und bald kommt ja auch noch die Autobahnmaut hinzu.
      Und sag jetzt bitte nicht, dass durch eine derartige Regelung dann fast alle Autofahrer komplett auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen würden ... das betrifft vielleicht 3-5% davon. Der Rest ist einfach derart stark auf ein Gefährt angewiesen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel keine echte Alternative darstellen. Letztlich würden die Autofahrer nochmals um (mind.!) 20 € im Monat ohne tatsächlichen Mehrwert geschröpft werden. Irgendwann ist auch mal das Ende der Fahnenstange erreicht.

      Bald müssen wir dann wohl auch noch anderen regionalen Unternehmen unter die Arme greifen, weil die ebenfalls ihre Chance zur finanziellen Stabilisierung auf dem Rücken der Bürger wittern? Bitte nicht! :(

      Für einige käme das Modell natürlich äußerst gelegen (z.B. für die, die aktuell eine deutlich teurere Monatskarte besitzen) und das will ich auch gar nicht bestreiten, aber Menschen zur Bezahlung einer Dienstleistung zu zwingen, die sie weder brauchen noch wollen, halte ich für äußerst grenzwertig. Wer am Stadtrand lebt, hat sich das so ausgesucht (wir wohnen relativ zentrumsnah und zahlen eine spottbillige Miete, ohne dass wir lange nach solch einem Wohnraum suchen mussten; in Bremen mag das ggf. anders aussehen, hier geht es jedoch um Leipzig) ... aber selbst dort fahren Straßenbahnen und Busse.

      Es ist jedoch natürlich auch mal interessant gewesen, eine völlig andere Meinung in diesem Zusammen hang zu lesen - das hält auch die Diskussion etwas offener und nicht so einseitig :)
      Deine Position ist zudem auch durchaus nachvollziehbar, wenn man aktuell sowieso bereits in erster Linie aufs Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel gesetzt hat.

      Löschen
  6. Ich musste damals noch das Studi-Ticket zahlen, obwohl ich zu 99,99% mit dem Auto gefahren bin - was auch gar nicht anders möglich war, wenn ich pünktlich in den Vorlesungen und abends auch irgendwann wieder zu hause sein wollte. Seitdem sind mir solche Geschäftspraktiken echt ein Dorn im Auge. :(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei uns war nur eine 20-€-Beteiligung beim Semesterbeitrag Pflicht und damit konnte man das ganze WE sowie unter der Woche ab 19 Uhr mit der LVB innerhalb Leipzigs fahren. Das reguläre Semesterticket konnte man sich für knapp 55,- € optional dazukaufen.

      Löschen