Sonntag, 21. Februar 2016

Giselle

Diesen Samstag war es soweit: der Liebste fuhr mit mir gen Norden zum Ballett in der Hamburgischen Staatsoper, um das von John Neumeier modern choreographierte Tanzstück Giselle zu sehen. Ich hatte ihm die Tickets erst vor Kurzem zum Geburtstag geschenkt :)

Eigentlich war geplant, das Ganze mit seinem firmeninternen Trip von Donnerstag Abend bis Freitag Nacht in der Hansestadt zu verbinden und uns wurde vom Arbeitgeber sogar bereits eine Suite für zwei Nächte auf Firmenkosten gebucht, aber dann erkrankte der tMdW letzte Woche plötzlich ziemlich heftig (Grippe + Bronchitis). Aufgrund des hohen Fiebers und der Kopfschmerzen blieb ihm im Endeffekt nichts anderes übrig, als sich für die beiden Tage krankschreiben zu lassen ... was ich zwar extrem schade fand, aber definitiv nachvollziehen konnte. Er war ein absolutrs Häufchen Elend :(

Wegen des Balletts hatten wir zunächst hin und her überlegt, dann aber beschlossen, auf jeden Fall zu fahren, falls sich der Gesundheitszustand vom Liebsten bis Samstag Vormittag erheblich gebessert haben sollte. Hatte er ... GsD!
Losgefahren sind wir dann allerdings erst 15 Uhr (fragt lieber nicht -.-), was zwar zeitlich betrachtet schon ein bisschen riskant war (wir hätten nicht in einen größeren Stau geraten dürfen), aber im Nachhinein definitiv die richtige Entscheidung für uns gewesen ist :)




Unterwegs haben meine Augen gleich zwei Schwedenhäuser direkt neben der Autobahn erspäht (Jepp, ich habe einen ausgeprägten Dachschaden! *g*). Zunächst das Braunschweiger IKEA und dann auch noch das von Großburgwedel:




Als wir in Hamburg ankamen, war es bereits dunkel und zudem regnerisch (letzteres hätte uns eine Sightseeingtour am Tag definitiv verleidet). Das Navi führte uns dann zielsicher zum zuvor ausgewählten Parkhaus am Dammtorwall (5 Stunden kosten dort für Staatsoper-Besucher lediglich 6 € statt 17,50 €) und dort entdeckte ich kurz vorm Ausgang diesen praktischen Regenschirm-Spender (ironischerweise hatten wir tatsächlich unsere Schirme zu Hause vergessen, aber 1. regnete es nicht allzu stark und 2. besitze ich bereits unzähliche Regenschirme):




Nachdem wir uns trotz googlemaps (bzw. eher aufgrund des falschen Ansatzes, mit dem der Liebste Karten zu lesen pflegt) typischerweise zunächst mal wieder verlaufen hatten, fanden wir dann irgendwann doch noch zu unserem Ausflugsziel:




Unsere Logenplätze fand ich ziemlich gut, denn wir hatten einen tollen Blick aufs Bühnengeschehen (und obendrein auch aufs Orchester):




Beide Akte hatte man mit konträren Hintergründen versehen. Während der erste hell und freundlich mit einem relativ schlichten weißen Hintergrund daherkam ...


In einem Dorf


... spielte der zweite Akt (nach der Pause) auf einer Friedhofslichtung in der Nacht und wurde entsprechend düster gestaltet:


Auf einer Lichtung


Wer sich für die grobe Handlung interessiert, kann sie gerne auf Wikipedia nachlesen: *klick*

Wir hatten uns zuvor diesbezüglich extra nicht spoilern lassen, weil wir mächtig darauf gespannt waren, ob man eine Geschichte wirklich alleine mit Mimik, Gestik und v.a. Tanz erzählen kann.
Unser Fazit: das klappt zu 80% :)

Als wir uns nachträglich entsprechende Beiträge im Netz durchgelesen hatten, ergaben einige der gesehenen Passagen plötzlich Sinn. Der tMdW hatte z.B. nicht mitbekommen, dass Giselles Mutter (Miljana Vracaric) in unserer Abwandlung blind war (und ironischerweise trotzdem die einzig Sehende in Anbetracht des drohenden Unheils). Das fand ich wiederum recht offensichtlich, denn sie hielt sich ständig die Augen zu zwischen ihren expressionistisch anmutenden Ausdruckstanzpassagen und musste auch sehr häufig von Giselle (Carolina Agüero) geführt werden ;)

Ich hingegen war u.a. von der Festszene nach dem berühmten Bauern-Pas-de-deux leicht verwirrt. Irgendwie erschloss sich mir nicht so recht, ob das Ganze ein normales Dorffest oder eher eine Hochzeit war. Und falls das mit der Hochzeit stimmte: Wer heiratete überhaupt? Giselle trug dabei nämlich als einzige Person ein weißes Kleid, während das von mir vermutete frisch gebackene Ehepaar nicht unbedingt 100% passend angezogen schien. Die Verwirrung war - zumindest für mich - an dieser Stelle perfekt. Es stellte sich dann später heraus, dass es wohl eher ein Dorffest war *g*

Ein weiterer, für mich leicht irritierender Punkt der Inszenierung war der Charakter von Bathilde (Emilie Mazon). Da diese Figur im Vergleich zu den anderen Ballerinen einen sehr zierlichen und kleinen Körperbau hatte, ständig überdreht kindisch agierte und obendrein immerzu einen Plüschteddy mit sich herumtrug, war ich mir ziemlich sicher, dass es sich bei der Rolle um ein Kind oder um eine Jugendliche handeln musste. Konnte sie irgendwie nicht so recht der Handlung zuordnen (zumal sich ein paar entscheidende Szenen offenbar sehr weit rechts außen abspielten, wo wir sie nicht immer mitbekamen).
Mein Gesicht hättet ihr mal sehen sollen, als ich im Nachhinein erfuhr, dass das Alberts Verlobte gewesen sein soll! :O

Aropos Albert (Christopher Evans): den fand ich sowohl tänzerisch als auch schauspierisch richtig gut. Trotz seiner zarten 21 Jahre (er ist im Vergleich zu den Tänzern, die diese anspruchsvolle Rolle sonst übernehmen, ja quasi noch ein Baby).
Sämtliche Pas de deux mit der mindestens genauso überzeugenden Giselle wirkten auf mich sehr harmonisch. Das Paar machte im ersten Akt einen verspielt-fröhlichen Eindruck, im zweiten wiederum einen melancholisch-versöhnlichen ... jeweils perfekt zu den Umständen passend und niemals überzeichnet oder gar unglaubhaft.

Dirigiert wurde das Orchester, das die schöne musikalische Begleitung lieferte, im Übrigen von Nathan Brock. War auf jeden Fall sehr romantisch :)

Nach dem Ende der Vorstellung (immerhin um 22 Uhr *g*) hasteten wir dann noch fix in das Burger-Restaurant Jim Block, das sich direkt gegenüber der Staatsoper befindet und auf das wir bereits im Vorfeld ein neugieriges hungriges Auge geworfen hatten (da blieb jedoch leider keine Zeit mehr für einen Snack):




Der Liebste bestellte sich einen BBQ-Burger und ich wählte einen Cesar's Salad ohne Fleisch (wir erhielten beide zudem noch Knoblauchbrot dazu sowie jeweils ein Getränk):




Nach dem oberleckeren Essen (wir haben es bereits überprüft: in Berlin gibt es wohl auch so einen Laden und da müssen wir unbedingt demnächst nochmal hin *sabber*) liefen wir dann zurück zum Auto und fuhren wieder Richtung Leipzig.
Hier könnt ihr mal noch meinen letzten fotografischen Blick auf Hamburg sehen:




Die Navi-Voraussage traf skurrilerweise exakt zu, denn wir parkten pünktlich um 2:10 Uhr in unserer Straße ein:




Während ich nun vom Ballett ganz klar hin und weg (= eindeutig angefixt) bin, will sich die bessere Hälfte nächstes Mal ''dann doch lieber ein Musical'' mit mir anschauen. Männer! xD


P.S.: Das Outfitfoto werde ich voraussichtlich morgen nachreichen. Ich kann den anderen Laptop nämlich aktuell nicht mehr starten (das relativ neue Ladekabel scheint jetzt schon defekt zu sein *damn*) und da sind leider die entsprechenden Fotos drauf. Die hatte ich bereits am Freitag geknipst und direkt übertragen. 



Nachtrag 24.02.16:


Shirt: H&M
Namenskette: Daily Obsessions
Rock mit Raffungen: H&M
Armbanduhr: Michael Kors
Strumpfhose: Lidl
Stiefeletten: Maison Martin Margiela for H&M

Kommentare:

  1. Inhaltlich habe ich Giselle irgendwie gar nicht kapiert ;-D aber das tut dem schönen Ereignis ja keinen Abbruch. Ich finde, Ballett ist schon etwas ganz besonderes. Komisch, dass Männer sich nur nicht so dafür erwärmen können ... hatte dazu letzten FR auch eine Diskussion mit dem Kollegen.

    So einen Schirmchen-Automaten haben wir auch in S. :-)

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    1. Ich glaube inzwischen, dass die meisten Männer diese Tanzerei einfach nicht verstehen. Und dann auch direkt mal Giselle, die ja anscheinend handlungstechnisch im direkten Vergleich etwas schwerere Kost zu sein scheint.
      Finde es witzig, dass du dahingehend offenbar auch ein paar Probleme wie wir hattest :)
      Ich werde mir aber wahrscheinlich zukünftig eine neue Ballett-Begleitung suchen müssen. Bist du interessiert? ;)

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    2. Immer gerne. Mo wäre da auch dabei. Wann kommste vorbei?! Im Herbst hätte ch noch Termine frei. ;-p

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    3. Keine schlechte Idee :)
      Ich glaub, ich hätte dafür ab Ende September bestimmt mal Zeit. Würde das dann aber halt auch ganz gerne mit einem Fortbildungstermin vom Liebsten abstimmen wollen.

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  2. Schön. Ich mag Ballett auch. Waren gerade in Leipzig zu dieser Veranstaltung:
    http://www.ballet-revolucion.de/
    Das ist natürlich wieder ganz anders und besser für Männer geeignet. Es gibt auch keine Handlung :-)
    Die Karten hat mir mein Mann geschenkt und wir waren auch zusammen da. Und VORHER in einem tschechischen Restaurant essen :-) Waren nämlich sehr pünktlich. Der Weg war auch nicht so weit wie nach Hamburg...

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    1. Das Plakat dafür hatte ich vor Kurzem an der Oper bemerkt :)
      Wenn es dort nur ums Tanzen ging, war es bestimmt tatsächlich eine etwas männerfreundlichere Show als unsere xD
      Leipzig hat ein tschechisches Restaurant?!? Was es nicht als gibt. Hat es euch denn dort geschmeckt?

      Die Balletttickets hatte ich doch auch bloß für Hamburg gekauft, weil wir dort abends etwas zusammen unternehmen wollten und - zumindest nach Plan - sowieso vor Ort sein sollten ... aber es kam ja alles ganz anders -.-

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  3. Die Story von Giselle finde ich persönlich ja völlig panne, aber bei Ballett ist mir die Story eh egal, ich genieße einfach die Kombination aus wunderbarer Musik und den optischen Reizen des Tanzes.

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    1. Ja, so ein kleines bisschen plemplem ist die Geschichte von Giselle durchaus xD
      Die Kombi von Musik und Tanz macht für mich persönlich auch den Reiz des Balletts aus.

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