Dienstag, 6. September 2016

IKEA Katalog 2017

Seit dem 24. August lag der neue Katalog vom Möbelschweden nun schon bei mir herum, aber erst heute kam ich dazu, ihn mir mal (halbwegs) in Ruhe anzuschauen.




Dass ich nicht der einzige Mensch bin, der diese einmal jährlich erscheinende, extrem möbellastige Werbung rezensiert, ist mir natürlich klar, aber die teilweise stark abweichende Herangehensweise anderer hat mich vor Kurzem ehrlich gesagt schon ein bisschen überrascht. Dank Vivian bin ich nämlich auf einen Blogbeitrag gestoßen, der mir in vielerlei Hinsicht starke Kopfschmerzen bereitet: *klick*

Die Frauen, Mütter und Großmütter, welche gemäß des Blogtitels die Webseite betreiben, sollten sich wohl lieber erstmal Sorgen um ihre Rechtschreibung machen, bevor sie sich anderen Dingen widmen.
Ich weiß, dass ich in diesem Punkt selbst auch nicht unfehlbar bin, aber was die Damen im besagten Beitrag orthografisch verzapft haben, kann nicht mehr mit simplen Flüchtigkeitsfehlern erklärt werden (Unterscheidung zw. das und dass / sinnloses Füllwort und im ersten Satz / Kaukasische muss als Adjektiv kleingeschrieben werden, da es nicht substantiviert ist / fehlende Verben: befindet sich würde z.B. in beiden Fällen reinpassen / Kin gleich 2x ohne das zweite n / insgesamt fünf fehlende Kommas und an anderer Stelle wiederum zwei zu viel, die durch Bindestriche oder Klammern ersetzt werden sollten).

Zum Inhalt des rassistischen Beitrags möchte ich mich auch noch kurz äußern und zugleich meine ganz persönliche Interpretation des Katalogdeckblatts mit euch teilen (das ist zwar eine völlig andere Vorgehensweise, als ihr es von mir aus den letzten Jahren gewohnt wart, aber das muss ausnahmsweise einfach mal sein).
Ich werde der Übersicht halber abschnittsweise vorgehen :)

1) IKEA als exorbitanter Steuersparer
Die Aussage ist korrekt, aber hier sollte man den mahnenden Zeigefinger wohl besser mal in Richtung Gesetzgebung (national sowie auf EU-Ebene) richten. Der Möbelschwede macht lediglich das, was er im rechtlich abgesteckten Rahmen tun kann. Ganz ehrlich: wenn ich als Privatperson eine Möglichkeit sähe, massiv Steuern einzusparen, würde ich jederzeit genauso handeln. Steinigt mich! -.-

2) Die blonde Frau
Woher will die Redaktion denn wissen, dass die abgebildete Frau tatsächlich der sog. Kaukasischen Rasse angehört? Haben die echt noch nie etwas von Colorationen gehört? Stellt euch bloß mal vor, wenn da womöglich in Wirklichkeit eine Japanerin mit blond gefärbten Haaren sitzt oder gar ein Transgender. Ich glaube, diesen Schock würden die Seitenbetreiber nicht verkraften xD
Dass die blonde Dame - welcher Herkunft und welchen Geschlechts auch immer - von den anderen im Augenblick der Bildaufnahme (ausnahmsweise mal) nicht beachtet wird, ist unerhört! Dass es dem einzigen abgebildeten Mann am Tisch genauso geht, scheint bei der empörten Wertung im Blogbeitrag allerdings keine Rolle gespielt zu haben. Ein Gespräch führen nämlich offensichtlich nur die beiden Frauen auf der gegenüberliegenden Seite ... und zwar miteinander. Selbstverständlich lästern sie über die Blondine -.-
Nun noch ein paar Worte zur Rückenproblematik. Wie sähe es wohl aus, wenn alle Protagonisten auf dem Titelbild artig nebeneinander und mit den Gesichtern in Richtung Kamera - sozusagen 'gleichwertig' - platziert worden wären? Ganz genau: völlig bescheuert! Hier ist das Fototeam zudem so weitsichtig gewesen und hat den Sitzplatz des zweiten Statistenrückens geräumt, damit man als interessierter Katalogschauer mal einen genauen Blick auf die Tischdeko werfen kann. Genau darum sollte es bei dem Deckblatt ja eigentlich auch gehen, was man angesichts der wirren Umvolkungs-Story schnell mal vergisst.
Apropos Nummer 5 im Bunde: kaum ist er/ sie aufs Klo verschwunden, schnappt sich auch schon die blonde Dame seinen/ ihren Suppenlöffel, um ihm/ ihr das leckere Zeuch wegzuessen. Den Blick weiterhin schön nach vorne gerichtet, damit es niemand am Tisch bemerkt. Also DAS finde ich ja wirklich mal dreist und ist für mich der eigentliche Skandal am Esstisch! :)
Dass die Blondine ein kleines Problem mit ihren (scheinbar nicht vorhandenen) Unterschenkeln zu haben scheint (irgendwas haut da auf dem Bild nicht ganz hin oder aber ich habe einen massiven Knick in der Optik), ist keine Rechtfertigung für dieses unerhörte Verhalten.

3) Der Salafist
... könnte auch gut und gerne einfach nur ein Hipster sein. Die laufen mit einem praktisch identischen Look durch die Gegend, bauen jedoch keine Bomben, sondern höchstens Pyramiden aus Club-Mate-Flaschen.
Auf dem Katalogdeckblatt freut er sich im Übrigen nur deshalb, weil er gerade erst gesehen hat, dass der Inhalt seiner Buchstabensuppe zufällig das Wort VINYL ergeben hat ;)

4) Die Araberin
Da ich mir den Katalog im Gegensatz zu den sorgenden Frauen, Müttern und Großmüttern tatsächlich mal komplett angeschaut habe, muss ich bei der Kopftuch-Prophezeiung widersprechen. Sie trägt es nämlich schon jetzt. Ihr glaubt mir nicht? Auf Seite 70 gibt's den Beweis!
Ich frage mich nur, wo genau hierbei das Problem liegen soll. In Schulen bin ich grundsätzlich gegen religiöse Symbole (also auch gegen Kreuze), aber sonst sollte doch jeder weitestgehend das tragen dürfen, was er möchte.
Es ist übrigens ungewiss, ob es sich bei der Frau überhaupt um eine Araberin handelt. Sie könnte genauso gut auch eine Spanierin, Portugiesin oder Griechin sein. Eine Rolle spielt das letztlich aber nicht wirklich ... zumindest sollte es das nicht.

5) Die Schwarzafrikanerin
... ist in Wirklichkeit Französin in dritter Generation. Ihre Großeltern kamen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts als Industriearbeiter ins Land und hatten in einem der neu hochgezogenen Wohnblöcke vor Marseille ein komfortables Zuhause gefunden. Heutzutage sind diese Gegenden weltweit als Banlieus bekannt und weisen eine enorm hohe Kriminalitäts- sowie Arbeitslosenrate auf.
Dass die Französin auf dem IKEA-Katalog-Cover von 2018 vielleicht tatsächlich eine größere Rolle einnehmen wird, ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn sie hat studiert, arbeitet mittlerweile in einem gut bezahlten Beruf und hat das Banlieu zum letzten Mal vor acht Jahren gesehen. Ihre neue große Wohnung im Pariser Zentrum wurde fast ausschließlich mit Möbeln vom großen Schwedenhaus ausgestattet und sie würde die entsprechenden Räume durchaus der ganzen Welt zeigen, falls IKEA nochmal bei ihr anfragen sollte :)

So, jetzt bleibt eigentlich nur noch eine Frage übrig: Wo ist die verdammte Torte abgeblieben?
Den Deckel der ARV BRÖLLOP Glasplatte habe ich nämlich im rostbraun lackierten (eine furchtbare Farbneuheit, die sich leider fast durchs gesamte Sortiment zieht) RASKOG Servierwagen erspäht...

Kommentare:

  1. Ich hab mir jetzt den Blogbeitrag mal angeschaut... Ganz ehrlich? Derart hirnverbrannte Verschwörungstheorien und rassistische Paranoia würde ich gar nicht kommentieren. Da scheint jemand mit wenig Grips und vielen Problemen am Werk gewesen zu sein. Das erzeugt bei mir nur mitleidiges Kopfschütteln...

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    1. Ohne diesen hirnverbrannten Quark würde aber meine Gegenrezension des Katalogdeckblatts nicht existieren. Dann hätte ich mich wie die Jahre zuvor über die gezeigten Produkte hergemacht und dafür - je nach Gusto - entweder lobende oder meckernde Worte gefunden :)

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  2. Im ersten Moment habe ich gedacht, der FMG-Betrag sei Satiere...

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    1. Spätestens im Kontext zum Blognamen wird deutlich, wessen Geistes die Seitenbetreiber sind und dass das Ganze offensichtlich ernst gemeint ist.

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  3. Witzig. Ich blättere den IKEA-Katalog ja erst durch seit ich dich kenne, weil ich quasi "mitreden" können will, wenn du drüber bloggst. Ausgerechnet in diesem Katalog dachte ich auf mehreren Seiten "Ja mei, dieses Mal sind sie aber politisch korrekt!" Denn auch wenn ich den jungen Mann auf dem Titel sicher nicht als Salafisten eingestuft hätte und mir die exakte Herkunft sämtlicher abgebildeter Personen ob blond, brünett, mit grünen, grauen oder blauben Gesichtern herzlich wumpe ist, fiel mir die ethnische Varianz durchaus auf und ich habe überlegt ob im letzten Katalog nicht noch alle typisch schwedisch blond gewesen sind :D

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    1. IKEA schlägt schon seit vielen Jahren einen interkulturellen Weg in ihren Katalogen ein. Besonders auffällig ist die ethnische Varianz im Family LIVE Heft, weil dort stets möblierte Wohnungen aus der ganzen Welt gezeigt werden ... inkl. Hintergrundgeschichten. Für mich war IKEA eigentlich schon immer multikulti :)

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  4. Manche Menschen... So richtig fällt mir dazu ernsthaft nix ein. ^^ Ich dachte zwar auch wie Alice, das man viel Wert drauf gelegt hat, nen Rundumschlag zu machen, aber so what.

    Was die Möbel angeht, nun ja... Bei den Farben gebe ich dir absolut Recht, dieses Rostbraun will doch niemand haben?! Und ich musste erstmal online schauen, ob es die Hemnes-Kommoden noch gibt, weil so richtig viel von den Möbeln ist ja leider nicht zu sehen. ^^

    (Nach den Unterschenkeln der blonden Frau muss ich mal schauen, sobald ich den Katalog wieder in die Finger bekomme. :D)

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    1. IKEA Einrichtungshäuser gibt es weltweit in 27 Ländern (315 Stück aktuell). Folglich muss das Zielpublikum möglichst breit gefächert angesprochen werden und das wird u.a. vom Deckblatt übernommen. Dorthin geht der erste Blick eines Interessenten und genau hier entscheidet sich, ob er im Katalog blättern wird oder nicht.

      Dieses Rostbraun ist meiner Meinung nach ein echtes Designverbrechen! Das geht echt gar nicht und mal im Ernst: wenn ich da bei irgendwem ins Zimmer komme und sowas sehe, denke ich automatisch an Durchfall. Perfekt also fürs Badezimmer xD

      HEMNES taucht kaum noch im Katalog auf, weil es sich schon sehr lange im Sortiment befindet (meist kein gutes Zeichen) und die wertvollen (weil limitiert vorhandenen) Katalogseiten daher in erster Linie für Produktneuheiten oder im Preis reduzierte Artikel (z.B. meine grüne Arbeitsleuchte FORSA, die jetzt nur noch 14,99 € statt 19,99 € kostet) verwendet werden.

      Vielleicht findest du ja ihre Unterschenkel. Möglicherweise haben sie auch nur einen kurzen Ausflug gemacht... ;)

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