Montag, 19. September 2016

Tag der offenen Tür im Tierheim Leipzig

Gerade einmal 13 Stunden nach dem Verlassen der Hochzeitsfeier unserer Freunde in Dresden stand Ende August ein Abstecher zum lokalen Tierheim auf dem Plan. Dort sind wir zuvor noch nie gewesen und wollten uns anlässlich des Tags der offenen Tür interessehalber vor Ort mal grob über die derzeit verfügbaren Hunde sowie die Vermittlungskriterien informieren.


zweimal Husky-Mix


Bereits bei unserer Ankunft begrüßte uns ein mehr als übervoller Parkplatz:




Hier seht ihr mal das Tierheim-Hauptgebäude von vorne:




Und dann begann auch schon unsere Erkundungstour auf dem Gelände:




Ein paar der für uns grundsätzlich interessanten Hunde (drinnen):


Dobermann-Mix Loki


Boxer-Mix Alma


Mischling Bo


Mischling Elvis


 Mischling Amigo


Mischling Abilon


Schäferhund-Mix Leo


Mischling Balu


Schäferhund-Mix Spiky


Bei den Außenzwingern fiel mir dann zunächst eine süße Glückskatze (= dreifarbig) auf, die sich geduldig von einem der Besucher kraulen ließ:




Ins Katzenhaus selbst sind wir dann allerdings nicht reingegangen (wg. Allergie vom Liebsten).
Stattdessen gönnten wir uns eine Wasserflasche sowie diesen niedlich gestalteten Muffin:




Daraufhin fand eine kleine Hundeshow mit eingebauten Tricks und Hindernisparcours auf der großen Rasenfläche vorm Tierheim statt, die dieser vermittlungsbereite Insasse tadellos meisterte:


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Er hier sträubte sich hingegen zwischendurch immer mal wieder (das Ganze war ihm wohl schlichtweg zu doof ... was ich bei den damaligen Temperaturen jenseits der 30°C-Marke aber durchaus nachvollziehen kann *g*):


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Danach sind wir erneut an an den Hundeunterbringungen vorbeigegangen - allerdings dieses Mal draußen:




Leider hat man es versäumt, auch dort Infos zu den Vierbeinern (Name/ Rasse/ Alter/ Anmerkungen) anzubringen:




Am Beispiel des hier zuletzt gezeigten Hundes will ich euch mal eine der Infotafeln in den Häusern präsentieren:




Cookie war eigentlich seit Monaten unser Favorit, bevor wir die Informationen vor Ort gelesen hatten. Online war und ist keine Rede davon, dass für seine Haltung Hundeerfahrung zwingend notwendig sei. Das gleiche Spiel bei etlichen anderen Hunden, die auf der Webseite zuvor einen deutlich pflegeleichteren Eindruck hinterließen.

Generell hätten wir bei einer Adoption aus dem Leipziger Tierheim unheimlich schlechte Karten und zwar aus folgenden zwei Gründen:
A) Bisher haben wir noch keine Erfahrung mit Hunden.
B) Wir besitzen kein Eigenheim (am besten ein Flachbau ohne Treppen) mit angrenzendem Grundstück.

Von den unproblematischen, anfängergeeigneten Hunden fallen in unserem Fall - gemäß der Ausführung einer der Tierpflegerinnen - folglich auch noch alle Exemplare raus, die mehr als 20 kg wiegen (kein einziger Hund aus dem von ihr betreuten Haus käme demnach für uns in Frage). Der Grund: wenn der Hund irgendwann mal keine Treppen mehr steigen kann, muss man als Halter in der Lage sein, ihn zu tragen (in unserem Fall bis zur 3. Etage) und das geht offenbar nur bei Hunden bis 20 kg (keine Ahnung, warum gerade diese Gewichtsgrenze genannt wurde).
An sich kein dummer Ansatzpunkt, aber in unserem Mehrfamilienhaus leben in der zweiten und vierten Etage bereits zwei deutlich schwerere Hunde (mind. einer davon aus dem Tierschutz - wie geht das?) und außerdem trägt mich meine bessere Hälfte problemlos die drei Stockwerke hoch (ist ein Teil seines Trainingsprogramms) wobei ich in etwa so viel wie eine ausgewachsene Bordeaux Dogge wiege (wer nicht weiß, was das für eine Hunderasse ist, denkt jetzt bitte an den riesigen und v.a. massigen Vierbeiner aus dem Film Scott und Huutsch *g*). Hinzu kommt, dass das Ganze ein totales Hätte-/ Wäre-/ Wenn-Spiel ist, das - einmal begonnen - praktisch jeden Interessenten für untauglich erklärt:
1) Ein Haus samt Grundstück kann man verlieren (sogar schneller, als man denkt).
2) Das regelmäßige Einkommen genauso.
3) Man könnte theoretisch schwer krank werden (und somit nicht mehr in der Lage sein, für den Hund zu sorgen).
4) Im Prinzip ist es auch denkbar, dass man 500 m vom Tierheim entfernt bei einem Autounfall stirbt ....
5) ... oder dass das Tierheim abbrennt und alle Hunde dabei sterben -.-

Als wir dann später noch eine andere, deutlich sympathischere Tierpflegerin aus dem zweiten Haus gefragt hatten (jedes der beiden Hundehäuser hat seine eigenen Pfleger), meinte diese, dass es für unsere Kriterien (dritte Etage + Anfänger in der Hundehaltung) aktuell tatsächlich nur ein einziges passendes Tier gäbe und zwar Balu (Bild siehe oben). Eigentlich ein niedliches Kerlchen, aber zu Hause kam dann die Ernüchterung, denn laut Webseitenangabe darf er keine Treppen steigen. Ähm ... ja. Gut, dass wir das geklärt haben.

Ich fasse also nochmal zusammen:
Wer kein Eigenheimbewohner ist (selbst Erdgeschossler im Mehrfamilienhaus müssen Treppen überwinden) und auch keine Hundeerfahrung besitzt, bekommt derzeit definitiv keinen Hund aus dem Tierheim Leipzig. So langsam verstehe ich, warum Hundevermehrer so viel Zulauf erhalten und die Tierheime immer voller werden. Echt tragisch :(
Eine Bekannte (Tierärztin) hat mir kürzlich sogar davon erzählt, dass die gleiche Einrichtung wohl auch einem befreundeten Paar (ebenfalls Tierärzte) keinen Hund anvertrauen wollte, weil die beiden an ihm ja dann berufsbedingt Experimente durchführen könnten/ würden. Ich war ehrlich gesagt sprachlos, als ich das hörte.
Dass dieses Pflegerverhalten anscheinend keine Ausnahme, sondern eher die Regel ist, legt auch die Äußerung einer anderen Besucherin nahe, mit der ich in einem der beiden Hundehäuser am Tag der offenen Tür zufällig ins Gespräch gekommen bin. Demnach hätte man ihr damals zunächst einen bestimmten Hund partout nicht geben wollen, weil dieser angeblich nicht mit Katzen auskäme. Über eine andere Pflegerin bekam sie das Tier dann aber doch noch für eine Probezeit zu Hause und von einer Katzenfeindlichkeit war absolut keine Spur :O

Nun ja ... es bleibt uns jetzt also nichts anderes übrig, als uns dann schweren Herzens an einen Züchter zu wenden. Es vergeht aber noch etwas Zeit bis zum geplanten Einzug eines Hundes und vielleicht verwerfen wir die Idee ja auch wieder komplett.
Auf jeden Fall war der Besuch im Tierheim Leipzig äußerst aufschlussreich und leider auch ziemlich ernüchternd.

Kommentare:

  1. Ohja das scheint wohl überall gleich auszusehen, hier unten auch nicht anders und dann wundert man sich warum die Tierheime komplett überfüllt sind.
    Bei uns war es damals eine Katze die wir dazuholen wollten, aber für ne Katze muss immer Freigang gewährt werden dazu am besten 100qm allein nur für die Katze und so weiter. Dazu noch wohnungsbesichtigung ob die Katze auch wirklich genug Platz hat und dergleichen.
    Aber im Tierheim gehts denen mit Sicherheit besser ...

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    1. Ich wundere mich darüber echt kein Stück mehr -.-

      Krass, dass bei euch selbst im Hinblick auf eine Katze derart konfuse Kriterien angesetzt werden. Außerdem sind längst nicht alle Katzen Freigänger. 100 m² werden bei der Wohnungsgröße echt gefordert? Das ist doch zehnmal mehr Fläche, als den Miezen im Tierheim zur Verfügung steht. Irre!

      Ja, das Tierheim ist nach den strengen Kriterien wahrhaftig der beste Platz für die meisten Vierbeiner und scheint für etliche davon zugleich auch eine Art Endstation zu sein. Traurig, aber wahr :'(

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  2. Hmmm, ne schwierige Sache. Die Einschätzungen der Tiere können durchaus von dem späteren Verhalten daheim abweichen, einfach weil die Situation gänzlich anders ist, siehe das Beispiel mit dem angeblich katzenfeindlichen Hund. (Bei unserem Hund ist es ähnlich, wenn auch in die andere Richtung. ^^ Aber eben abweichend.) Das ist allerdings schwierig abzuschätzen. Schlussendlich hast du immer ein Überraschungsei.
    So ein bisschen bekommt man den Gedanken, dass die Tiere gesammelt werden. Dass sie es in ihren neuen Familien gut haben und ihnen die bestmöglichen Bedingungen geboten werden sollen, klar, das steht außer Frage. Wenn man die Latte aber so hoch hängt... In 'unserem' Tierheim gibt es auch sehr viele schwierige Hunde, ich wüsste gar nicht, ob da überhaupt etwas unkompliziertes dabei ist. Bei den Katzen ist es deutlich einfacher - Wohnungs- oder Freigängerkatze? Bitteschön, die und die und die da stehen zur Auswahl.

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    1. Dass man ein Überraschungs-Ei bekommt, ist klar. Dies betrifft aber im Prinzip auch jeden Welpen ;)
      Letztlich ist die zweiwöchige Probephase ja gerade dafür da, um mal genauer danach zu schauen, ob man im Endeffekt tatsächlich zusammenpasst.

      Ehrlich gesagt möchte ich gar keinen total unkomplizierten Hund. Das fänd ich zugegebenermaßen sogar etwas langweilig. Ein bisschen Charakter sollte der Rüde schon mitbringen, solange er nicht völlig unberechenbar ist. Als Kind und Jugendliche bin ich auch ein paar Mal (im Übrigen völlig problemlos) mit der stürmischen Schäferhündin von den Nachbarn meiner Großeltern Gassi gegangen und bringe daher zumindest ein kleines bisschen Efahrung mit. Nur einen eigenen Hund durfte ich leider nie haben :(

      Dass es durchaus auch Tierheime gibt, die sogar bei der Adoption von Katzen extrem anspruchsvoll sind, zeigt Scratis Beispiel (siehe Kommentar über dir).

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  3. Prinzipiell finde ich es ja nicht schlecht, wenn sich nicht jeder einfach so einen Hund oder eine Katze aus dem Tierheim holen kann, und anschließend geht es den Tieren im neuen Zuhause dann schlechter als im Tierheim. Also dass da bestimmte Voraussetzungen (z.B. ein gewisser Platz, ggf. Erfahrung, wie man mit den Tieren umgehen muss usw.) erfüllt sein müssen. Aber wenn das teilweise wirklich so streng bzw. willkürlich ist, finde ich das übertrieben und total am Ziel vorbei. Denn so dürften sich nur wenige "geeignete" Menschen finden, die ein Tier aus dem Heim übernehmen.

    Bei uns hier haben wir bisher solche Erfahrungen nicht gemacht. Meine Eltern haben bereits den dritten Hund aus dem Tierheim (sie entscheiden sich meistens für Tiere, die schon etwas älter sind, weil die a) nicht mehr so "gefragt" sind und sie b) ja selbst schon Ende 60 sind und mit einem jungen Wildfang wahrscheinlich nicht mehr mithalten könnten), und da kam dann immer eine Mitarbeiterin vom Tierheim raus, schaute sich das Haus und den Garten an und hat ein Stündchen mit meinen Ellis gesprochen, um sich ein Bild zu machen. Und als wir uns kürzlich über die Möglichkeit, eine oder zwei Katzen aufzunehmen, informiert haben, lief das ähnlich. Wir mussten ein paar Fragen zu unserer Lebens- und Wohnsituation und unserer Erfahrung mit Tieren beantworten. Wir wollten uns ja erstmal nur informieren, aber die Mitarbeiterin meinte, man würde uns ohne Probleme ein Tier anvertrauen.

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    1. Ich finde es auch wichtig, dass die Tiere nicht einfach Hinz und Kunz anvertraut werden. Ein genauer, prüfender Blick sollte durchaus stattfinden, aber die Kriterien des Leipziger Tierheims sind für eine Adoption wirklich nur extrem schwer zu erfüllen, weil sie schlichtweg viel zu streng sind. Da wundert es mich kein bisschen, dass einige der Hunde schon seit mehreren Jahren in diesem Tierheim warten, weil sie nicht vermittelt werden.

      Der Fall deiner Eltern oder auch eurer ist alleine schon aufgrund der Wohnumstände nicht mit unserem vergleichbar. Ihr seid schließlich die im Blogbeitrag erwähnten Wunschkandidaten, weil ihr Eigenheimbesitzer mit angrenzendem Garten seid ;)
      Da wundert es mich ehrlich gesagt kein bisschen, dass ihr sofort ein Tier anvertraut bekommen würdet.

      Eine Altersbeschränkung für den potenziellen Hund hatten wir dem Tierheim übrigens auch nicht genannt, weil das für uns kein wichtiger Aspekt ist. Selbst ohne eine solche Beschränkung gibt es für uns aktuell keine Adoptionsmöglichkeiten vor Ort.

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  4. Also ehrlich gesagt, rein vom Gefühl her, hätte ich eure Wohnung zu klein für einen Hund der anvisierten Größe gefunden. Aber vielleicht bin ich es einfach zu sehr gewohnt, dass in meinem Umfeld nur die Leute mit Haus und Garten Hunde haben und verbinde mit den Wauwaus dann automatisch auch immer das Rumtollen im Garten.

    Die Tierheime sind auch bei uns in Sachen Vergabe sehr streng. Einerseits befürworte ich das, aber andererseits denke ich auch, dass so manchem Vierbeiner deswegen ein schönes Zuhause entgangen ist und man, wie Kirjava schon sagt, die Latte nicht zu hoch hängen sollte, denn, Wohnung hin oder her, ich bin mir sicher, dass jeder der abgebildeten Hundis bei euch ein glückliches Leben führen würde.

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    1. Die im Beitrag gezeigten Hunde sind alle unterschiedlich groß (etwa zw. 20 und 40 kg). Kann sein, dass ein anderer Eindruck entstanden ist, weil sie teilweise rangezoomt wurden :)
      Das waren jetzt nur Hunde, die wir aufgrund der Optik und unserer Beobachtungen ihres Charakters vor Ort auf den ersten Blick als grundsätzlich für uns interessant eingestuft hatten. Mehr als die Hälfte davon wäre aber wohl sowieso für uns aufgrund von schweren Verhaltensstörungen wieder rausgefallen.
      Ich frage mich, warum die Tierheimmitarbeiter hier nicht mal ansetzen, um auch die besonders schweren Fälle endlich mal in grundsätzlich vermittelbare Hunde zu verwandeln. Scheinbar fehlt aber wohl die Zeit für gezieltes Verhaltenstraining :(

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  5. Ich wusste gar nicht, dass die Vergaberegeln in Tierheimen SO streng sind Oo
    Es ist ja klar, dass man nicht jedem Erstbesten ein Tier überlässt, und es gehört auch dazu, wenn sich vorher die Wohnung oder das Haus angesehen wird. Aber so ist es doch ziemlich krass gehalten und wirklich kein Wunder, dass die Tierheime so überfüllt sind... Echt traurig :/

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    1. Die genannten Erfordernisse gelten soweit nur im Leipziger Tierheim. In den anderen Einrichtungen kenne ich mich ehrlich gesagt nich aus und kann für sie folglich auch keine entsprechenden Angaben machen.

      Ich hätte auch nicht erwartet, dass die Vergaberegeln derart streng sein würden. Zumindest scheinen sie dort keine leichtfertigen Entscheidungen zu treffen.

      Auf diesen negativen Erfahrungsbericht bin ich im Übrigen kürzlich noch gestoßen:
      http://adresse.gelbeseiten.de/101021674503/tierheim-breitenfeld/leipzig/lindenthal#

      Die detaillierten Bewertungen bei google sprechen ebenfalls Bände im Hinblick auf die Hundevermittlungen (bei Katzen scheint es hingegen weniger Probleme zu geben): https://www.google.de/search?q=tierheim+leipzig&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b-ab&gfe_rd=cr&ei=32vqV6uQENGN8Qfz_KzYCA#gfe_rd=cr&lrd=0x47a65850a4bf55d5:0x162f53639c23ee69,1,
      Gerade die darin häufig erwähnte Arroganz und Unfreundlichkeit vieler TH-Mitarbeiter (in unserem Fall bei einer ganz besonders speziellen Pflegerin erlebt; eine andere war hingegen sehr nett, wenngleich etwas uninformiert) kann ich direkt unterschreiben.
      Unser Erlebnis war also definitiv kein Einzelfall! :O

      Aufgrund dieses 'speziellen' Verhaltens der Pfleger haben demnach wohl auch schon einige Tierfreunde ihre Dauerspendenaufträge für die Einrichtung gekündigt. Äußerst interessant...

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