Donnerstag, 16. Februar 2017

Dinner for two: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Anlässlich des diesjährigen Valentinstages wollten wir mal wieder zu zweit romantisch essen gehen. Weil ich jedoch Anfang Februar telefonisch und online keinen einzigen Tisch mehr in den von uns favorisierten drei Restaurants bekommen konnte und ehrlich gesagt auch nicht allzu sehr an diesem speziellen Datum hänge, habe ich einfach einen Termin für den Folgetag bei unserem Favoriten klargemacht :)
Mag auf den einen oder anderen vielleicht ein bisschen merkwürdig wirken, ist aber meines Erachtens nach immernoch besser als ein Restaurant am Valentinstag aufzusuchen, das für uns bloß ein Notnagel gewesen wäre und wo es uns dann möglicherweise auch gar nicht gefallen hätte.




Bevor ich unsere finale Restaurantwahl aufkläre, möchte ich aber noch schnell auf die Kleinigkeiten eingehen, die wir uns anlässlich des speziellen Tages gegenseitig haben zukommen lassen. Eigentlich wollten wir uns nichts schenken, aber als der Liebste meinte, dass ich trotzdem auf jeden Fall Blümchen bekommen würde, hab ich ihm spontan auch noch was organisiert.
Oben seht ihr meinen süßen Mini-Rosenstrauß (ist in etwa so groß wie zwei Frauenhände nebeneinander), der sogar Ferrero Küsschen enthält. War folglich bereits aus kulinarischer Sicht ein Volltreffer :)
Ich hab dem tMdW wiederum seine innig geliebten Eiweißriegel geschenkt (Liebe soll ja bekanntermaßen durch den Magen gehen *g*):




Am meisten freuten wir uns aber natürlich auf/ über unser gemeinsames Dinner.
Wir hatten uns für das Mondscheinrestaurant entschieden, was ein sogenanntes Dunkelrestaurant ist:




Das bedeutet, dass es darin einen komplett (!) abgedunkelten Bereich mit Tischen gibt, an denen die Gäste von blinden oder schwer sehbehinderten Kellnern bedient werden.
Die Lounge im Vorraum, wo man uns in Empfang nahm und vorab die Menüwahl klärte, war hingegen noch ganz normal beleuchtet:




Nachdem wir uns zwei alkoholfreie und äußerst leckere Cocktails namens Pelikan (siehe oben; mit Grapefruitsaft, Grenadine und noch irgendetwas anderem, das ich aber schon wieder vergessen hab *lol*) bestellt hatten, wählten wir unsere beiden 4-Gänge-Menüs unter den allgemein gehaltenen Oberkategorien Fleisch, Fisch, Vegetarisch/ Vegan und Überraschung aus. Man weiß also grundsätzlich gar nicht, was man serviert bekommen wird, sondern nur, in welche Richtung es geht ... oder eben selbst das nicht, wie beim totalen Überraschungsmenü (was entsprechend nur etwas für ganz besonders Mutige sein dürfte).
Wir wurden dann zum Glück noch hinsichtlich eventueller Unverträglichkeiten befragt und das führte zum Ausschluss sämtlicher Zwiebeln und Tomaten beim Fleischmenü der besseren Hälfte sowie von Zwiebeln und Ananas bei meiner vegetarischen Menüfolge. Ananas wären aber sowieso nicht mit dabei gewesen, was mir vorab bereits gesagt wurde.

Schließlich wurden wir nach etwa 20-minütiger Wartezeit vom blinden Kellner Stefan (er war dann den kompletten Abend persönlich für uns zuständig) abgeholt und in Polonaisemanier zu unserem - im Vergleich zu den anderen - wohl etwas privater gelegenen 2er-Tisch im stockdüsteren Raum (ich glaube einer von insgesamt zwei Stück) geführt, während er dabei quasi im Zickzack lief, um uns zu verwirren (ist auch genauso gewollt). Wir haben zunächst arg große Orientierungschwierigkeiten gehabt und ich umklammerte erstmal weiterhin mit der rechten Hand panisch mein Pelikan-Glas, weil ich Angst hatte, es ansonsten mit einer unbedarften Bewegung vom Tisch zu fegen. Bin ja schon bei Tageslicht nicht gerade besonders geschickt -.-
Die linke Hand hielt hingegen praktisch die ganze Zeit über das in eine Serviette eingewickelte Besteck fest umschlossen und das war auch echt gut so, denn das brauchte man nunmal ständig und einmal weggelegt hätte wohl die ganz große Ostersuche mit ''Huch!'' und ''Verdammt!'' als Kommunikationinhalt am Tisch begonnen -.-




Ich würde euch an dieser Stelle ja gerne mal Fotos von unseren Menüs zeigen, aber jegliche Lichtquellen (selbst Uhren mit leuchtenden Zeigern) sind nunmal im Dunkelrestaurant untersagt und außerdem war ja gerade das der Clou: man wusste absolut nicht, was man gerade serviert bekommen hat und musste sich mit den übrigen Sinnen langsam herantasten (teilweise im wahrsten Sinne des Wortes). Erst im Anschluss sollte es dann in der beleuchteten Lounge eine Auflösung (mit Fotos der einzelnen Gerichte) geben.

Wenn wir mal etwas brauchten oder irgendwelche Fragen hatten, mussten wir bloß unseren äußerst netten und aufmerksamen Kellner per Vornamen zu rufen und er war sofort zur Stelle. Da wir im Endeffekt das Dunkelrestaurant erst gegen 21 Uhr betreten hatten und zu dieser Zeit zugegebenermaßen recht hungrig gewesen sind, ließen wir uns die vier Gänge auch relativ zügig nacheinander bringen. Leider konnte ich mich aufgrund der erkältungsbedingt verstopften Nase so gut wie überhaupt nicht auf meinen Geruchssinn verlassen, sodass bei mir quasi nicht nur der Sehsinn weggefallen war. Das machte das Erschmecken des Essens zugegebenermaßen ganz besonders schwierig. Eine echte Herausforderung also ;)

Ich spoiler jetzt mal eine grobe Auflösung des Veggie-Menüs anhand meiner schwachen Erinnerung - werde die Schrift allerdings weißen, damit man es keinesfalls unfreiwillig liest (also falls jemand von euch bis Ende nächster Woche zufällig auch mal dorthin gehen möchte, bleibt die Überraschung erhalten ... danach wechseln sämtliche Gerichte, was im Übrigen aller 6-8 Wochen der Fall sein soll):

Vorspeise: Sesam-Reis(?)-Gemüse-Bällchen (sehr lecker; bildete mir aber fälschlicherweise ein, etwas Wasabi herauszuschmecken *g*) + Preiselbeer-Dip + Lollo-Rosso-Salatblatt + Tomatenviertel
Suppe: rote Gemüsesuppe (ich weiß leider nicht mehr, was genau das für eine gewesen ist ... war aber ganz okay), die zunächst wie eine Kartoffelsuppe schmeckte, aber dann doch bloß die gleiche Konsistenz aufwies + Croutons
Hauptgericht: eine Art leckerer Gemüsewrap (?) + glasierte Nudeln (?) + Schälchen mit irgendeinem dunklen, leicht säuerlichen Kraut, das aber wie dieses leckere helle schmeckt, was auch oft Beilage ist
Dessert: Marzipancreme (?) auf Sauerkirschen (mit noch irgendetwas dazu) + Vanilleschlagsahne


Einige Essensbestandteile hatten auf den hinterher gezeigten Fotos interessanterweise eine völlig andere Farbe als während des Schmeckens von mir erwartet. Kurios! :)

Jedes Menü - egal welcher Kategorie - kostet vor Ort 39,90 €, was meinem Empfinden nach rein für den Umfang und die Qualität des Essens nicht 100%ig angemessen ist. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass zum Dinner auch das Erlebnis an sich gehört und es definitiv etwas Besonderes ist, dann geht das letztenendes durchaus in Ordnung. Im Panoramarestaurant zahlt man sicherlich einen ordentlichen Mehrbetrag für die phänomenale Aussicht (ich sag nur Mietkosten) und hier eben für das spezielle 'Ambiente', den entsprechenden Service und insgesamt einer tollen Erfahrung (sowohl hinsichtlich der eigenen Sinne als auch menschlicher Natur).
Die Getränkepreise fand ich im Übrigen okay, hab allerdings auch bloß bei den alkoholfreien Cocktails (ich glaub, das waren 5 € für 0,4 l) in der Karte geschaut :)

Zum Schluss zeige ich euch noch mein abendliches Komplettoutfit vorm Restaurant:


Mantel: Mango (*klick*)
XXL-Tuch: H&M (*klick*)
Kleid: H&M (*klick*)
Lederhandschuhe: NoName (*klick*)
Strumpfhose: Lidl
Ledertasche: Maison Martin Magiela pour H&M (*klick*)
Keilabsatz-Stiefeletten: H&M

Kommentare:

  1. Meine Eltern waren am 13. essen, weil mein Vater am 14. abends nen Termin hatte :D Dafür saß meine Mama am 14. dann bei mir, weil mein Mann arbeiten war. Man muss mit dem Herrn Valentin eben flexibel sein :)

    Ich kennen zwar diese "Dark Dinners", werden bei uns ein paar Mal im Jahr in einem bestimmten Restaurant veranstaltet, aber die Kellner dort sind nicht blind, sondern tragen Nachtsichtbrillen. (Übrigens läuft gerade ein deutscher Film im Kino mit einem Kellner/Hotelier, der seine extreme Sehschwäche verbergen will.) Ob so ein Dinner im Dunkeln was für mich wäre, weiß ich allerdings nicht. Ich esse auch mit den Augen und bin extrem pingelig... also ich glauuuube, ich bin raus *g* Trotzdem ist die Idee mal "was anderes" zu einem besonderen Anlass zu machen klasse.

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    1. Hehe, ein Prä-Valentinstags-Dinner :)
      Deine Eltern sind mir höchst sympathisch!

      Ach, du kleiner Angsthase ... was einem im Dunkeln nicht schmeckt, kann man doch auch einfach zur Seite schieben. Bei mehreren Gängen wird schon was Essbares dabei sein, oder?
      Nachtsichtbrillen sind übrigens reinste Schummelei! ;)

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  2. Das ist eine sehr schöne Idee! Vielleicht mache ich das auch mal ... mit Mo. Hahaha :-D
    Und ja, warum sollte man jetzt zwingend nur am Valentinstag hübsch essen gehen - Valentinstag kann jeder Tag sein! <3

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    1. Genauso ist es! *highfive*
      Wäre bestimmt was für Mo und dich ... Auf jeden Fall eine Erfahrung, die man nicht so schnell wieder vergisst :)

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  3. Das klingt sehr spannend und würde ich irgendwann gern mal ausprobieren :)

    Deine Zwiebel-Aversion war mir ja schon bekannt, aber irgendwie ist mir erst mit diesem Posting aufgefallen, dass der tMdW sie auch nicht mag ^^

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    1. Ja, tu das ruhig! Wenn es dir dann doch nicht zusagen sollte, hattest du zumindest ein ganz besonderes Erlebnis :)

      Ja, er mag auch keine Zwiebeln. Eine der äußerst wenigen Gemeinsamkeiten von uns xD

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