Dienstag, 14. März 2017

Filmkritik: Split

Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Film im Autokino (bin zwei Monate zuvor zarte 18 geworden), der zufällig auch von Regisseur M. Night Shyamalan stammte. Es handelte sich um Signs - Zeichen und meine damalige beste Freundin und ich kreischten verängstigt bei der einen oder anderen Sequenz auf. Herrjeh, waren wir Weicheier xD

Als der Liebste mit mir am Samstag Abend mal wieder ins Kino (das normale, Autokinosaison ist ja noch nicht wieder) gehen wollte und die frisch angelaufenen Filme Logan und Kong - Skull Island aus Sitzplatzgründen (freie Wahl + großer Start-WE-Andrang = schlechte Plätze) keine echte Option für uns im gemütlichen Retrokino waren, verblieben nach einem groben Inhaltscheck eigentlich bloß noch zwei Möglichkeiten, die zufällig beide in die Horror-/ Gruselsparte fallen: A Cure for Wellness und eben der letztlich ausgewählte Streifen Split.




HANDLUNG:

Drei junge Mädchen werden von einem fremden Mann entführt, der sich später als Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) entpuppt. Dieser leidet unter einer DIS (= dissoziative Identitätsstörung) und befindet sich bereits seit Jahren in psychologischer Betreuung bei Dr. Fletcher (Betty Buckley), die Kevin mit seinen insgesamt 23 Persönlichkeiten außergewöhnlich findet.
Als sich beim Patienten eine weitere, gänzlich neue Identität mit dem unheilvollen Namen 'Bestie' andeutet, macht sie sich berechtigterweise große Sorgen.

Währenddessen versuchen die drei Mädchen verzweifelt, ihrem Peiniger zu entkommen. Dabei stellt sich aber im Endefekt nur die stille Außenseiterin Casey Cooke (Anya Taylor-Joy) als einigermaßen weitsichtig und clever heraus, was anscheinend an ihrer eigenen Vergangenheit liegt, deren prägendste Etappen in entsprechenden Rückblenden gezeigt werden.

Beim Showdown wird es ein kleines bisschen übernatürlich und der für Werke von M. Night Shyamalan typische Plot Twist darf natürlich auch nicht fehlen. Dieser hat es hier aber wahrlich in sich!




FAZIT:

Kevin ist hier ganz klar nicht (mehr) allein zu Haus :)

Ich fand den Film insgesamt recht gut, allerdings v.a. auch wegen dem verblüffenden Ende, das die vergangenen knapp 1,5 Stunden in einem völlig neuen Licht erscheinen ließ. Genau dieser Punkt wird jedoch möglicherweise den meisten Kinobesuchern entgangen sein, da man dafür ein bestimmtes Hintergrundwissen braucht. Speziell das hier benötigte hat aber mit Sicherheit nicht jeder (möchte an dieser Stelle ehrlich gesagt nicht zu viel spoilern), sodass etwa 60-80 % der Leute nach der Vorstellung mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn dasaßen, die den Plot Twist schlichtweg nicht verstanden haben und dafür im Prinzip auch absolut nichts konnten. Ein gutes Beispiel hierfür war die eindeutig verwirrte Reihe direkt hinter uns, deren Dialoge während des Abspanns zwangsläufig an unsere Ohren drangen :)

Von der Besetzung her kann ich auch nicht meckern. Hauptdarsteller McAvoy hatte ich noch von früher als höchst attraktiven Kerl aus Abbitte und Geliebte Jane im Gedächtnis und war in Anbetracht seiner Kahlköpfigkeit und seiner häufig wandelnden Mimik zunächst etwas irritiert. Seine verschiedenen Identitäten hat er aber durchaus authentisch gespielt (okay, der 9-jährige Lispel-Hedwig war vielleicht ein kleines bisschen übertrieben) ... und zwar unabhängig von sich ändernden Kleidungsstilen, die den Rollenwechsel offenbar jedes Mal zusätzlich visuell unterstreichen sollten. Das wäre meiner Meinung nach gar nicht nötig gewesen, verdeutlicht aber auch, dass der Regisseur offenbar nicht unbedingt vollstes Vertrauen in das Publikum (oder seinen Hauptdarsteller) hatte ;)
Auch Anya Taylor-Joy als das einzige nicht völlig farblos dargestellte Entführungsopfer gefiel mir in ihrer Rolle als zurückhaltende und zugleich mitdenkende Protagonistin sehr gut.

Was ich wiederum überhaupt nicht nachvollziehen konnte, ist folgende Szene: da sitzt der Kerl mit einer offensichtlichen Identitätsstörung irgendwann vor den etwa sechsehnjährigen Mädchen auf dem Boden und behauptet, ein neunjähriger Junge zu sein. Warum überwältigen die drei (!) Personen ihn in dieser Situation nicht einfach und fesseln ihn?!? Ich mein, das wird doch wohl echt möglich sein ... zumal sie selbst zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht in ihrer Bewegungsfreiheit innerhalb des Raumes eingeschränkt sind. Derart abwegiges/ selten dämliches Verhalten stört mich enorm und kommt leider oft in diversen Filmen vor. Bei solchen Figuren hoffe ich dann zugegebenermaßen auf eine filmische Umsetzung von Darwins Theorie, wonach die Dummen (aus)sterben xD

Alles in allem ein solider, leicht überdurchschnittlicher Film, der einen recht gut unterhält. Er ist aber natürlich eher etwas für Kenner/ Freunde von Filmen dieses speziellen Regisseurs als für diejnigen, die mit seinen Werken bisher so gar nichts anfangen konnten.




Zum Abschluss kommt hier auch noch der Trailer: *klick*



Nachtrag 19.03.17:

Eine besonders seltsame Begebenheit im Zusammenhang mit der Kinovorstellung hätte ich beinahe vergessen zu erwähnen.
Das helle Licht blieb beim Abspielen einfach eingeschaltet (war auch schon bei den Trailern so) und daher musste der Liebste nach Filmbeginn nervigerweise nochmal kurz den Saal verlassen, um einen Mitarbeiter aufzusuchen. Die anderen (faulen Säcke) blieben einfach sitzen, applaudierten aber wenigstens nach der Rückkehr meiner besseren Hälfte, weil es Sekunden zuvor endlich dunkel geworden war.



Kommentare:

  1. Bei Signs gibt es aber auch wirklich die ein oder andere Kreisch-Szene :D Finde da ist kreischen keine Schande ;)

    Ich höre gerade Hörbücher bei denen es um DIS geht und merke dabei: es ist einfach nicht mein Thema. Ich bin ehrlich genervt, wenn das am Ende als "Lösung" herangezogen wird, find es zu "einfach" :P

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    1. Stimmt, Signs war teilweise echt gruselig und hatte auch den einen oder anderen Schockermoment :)

      Im Film war die DIS des Hauptdarstellers von Beginn an bekannt. Es war also quasi nicht die Lösung/ Auflösung, aber ich kann mir trotzdem gut vorstellen, dass dich die entsprechend thematisierten Hörbücher nerven.

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  2. Ich mag die Filme von M. Night Shyamalan von The Sixth Sense bis The Happening alle sehr! The Village fand ich Bombe - saß echt mit offenem Mund am Ende im Kino.

    Die neueren interessieren mich gar nicht mehr, aber SPLIT könnte ja durchaus wieder in diese Ecke gehen ... werde ich mir mal auf DVD antun. :-)

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    1. Dann hast du bestimmt auch auch 'Unbreakable' gesehen?!

      Von seinen aktuelleren Werken kenne ich bisher auch bloß 'Split', aber 'The Visit' und 'Das Mädchen aus dem Wasser' würde ich mir auch gerne mal noch anschauen wollen, selbst wenn die Kritiken dazu nicht so pralle ausgefallen sind. Bilde mir grundsätzlich gerne eine eigene Meinung zu den Dingen (z.B. kam 'The Happening' bei mir auch deutlich besser als bei den meisten Leuten an) :)

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    2. Ja, ich hab' die alle gesehen. Das Mädchen aus dem Wasser fand ich z. B. auch echt super! Mir ist da auch die Meinung von Dritten wurst ... wenn der Film mir so gefällt oder nicht gefällt, ist das halt so. :-) Eigene Meinung bilden ist immer von Vorteil. :-)

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