Freitag, 22. September 2017

Du hast die Wahl

Ich musste zugegebenermaßen etwas schmunzeln, als ich Alices tollen aktuellen Blogpost (*klick*) entdeckte, denn ich hatte für heute bereits etwas ziemlich Ähnliches geplant (fällt mal wieder in die Kategorie 2 Dumme - 1 Gedanke *g*).
Mein Schwerpunkt liegt aber letztendlich dann doch ein bisschen woanders :)




Wer meinen Blog bereits etwas länger verfolgt, der hat bestimmt schon mitgekriegt, dass ich seit über acht Jahren ein Ehrenamt als Wahlhelferin begleite. Zuletzt bin ich wiederholt Wahlvorsteherin eines Bezirks hier in Leipzig gewesen und das ist auch in diesem Jahr wieder der Fall.

Klar, dass ich bisher auch bei jeder Wahl selbst meine Stimme(n) abgegeben habe, weil ich das Recht dazu für sehr wichtig erachte. Es ist praktisch die einzige Möglichkeit der Bürger, wenigstens indirekt bei der Zukunftsgestaltung unseres Landes mitzuwirken und ggf. Änderungen herbeizuführen.

Damit bei eurer für übermorgen geplanten Stimmabgabe (Briefwähler an dieser Stelle mal ausgeklammert, denn die müssten inzwischen ja bereits alles erledigt haben) dann auch tatsächlich alles reibungslos klappt, solltet ihr u.a. folgende Dinge beachten:

A) beschädigte Stimmzettel (am besten noch im unausgefüllten Zustand) direkt austauschen lassen
B) höchstens ein Kreuz pro Seitenhälfte setzen (links: Erststimme/ rechts: Zweitstimme)
C) beim Ankreuzen keine verfassungsfeindlichen Symbole verwenden (z.B. Hakenkreuze)
D) nur alleine in die Wahlkabine gehen (Ausnahme: erkennbar hilfsbedürftige Menschen; z.B. Sehbehinderte)
E) keinen Bleistift verwenden (bitte auch direkt dem Wahlvorstand mitteilen, wenn kein Kuli bereitliegen sollte)
F) Stimmzettel innerhalb der Kabine wieder zusammenfalten (sonst wird ein neuer ausgehändigt)
G) keine Zeichnungen (Motiv egal), personenbezogene Daten, etc. auf Stimmzettel hinterlassen
H) für Fall der Fälle gültigen Perso oder Reisepass bereithalten (FS ist umstritten; KK-Karte geht nicht)
I) bitte nicht pöbeln oder randalieren (weil man dann dauerhaft des Raumes verwiesen werden kann)
J) keine Video- oder Fotoaufnahmen in der Wahlkabine machen (dann gibt's einen neuen Stimmzettel)

Gerade zum ersten Punkt hab ich ein Erlebnis von der Briefwahl eines Bekannten meiner Mutter zu berichten. Demnach soll sein zugeschickter Stimmzettel für die Bundestagswahl 2017 gelocht gewesen sein, was diesen dann natürlich später als ungültig aussortieren ließe. Schon seltsam, oder? Er hat daraufhin verständlicherweise einen neuen angefordert.

Dass die rechte obere Ecke abgerundet ist, stellt im Übrigen keine irreguläre Abweichung dar, sondern dient blinden Mitbürgern dazu, die richtige Position für das Anlegen ihrer Wahlschablone zu finden. Finde ich klasse!

Durch meine Verschwiegenheitsverpflichtung (die übrigens ausnahmslos für alle Wahlhelfer gilt) darf ich im Nachgang leider keine Erlebnisse von der Wahlhandlung mit euch teilen. Dies verhindert aber natürlich auch in 99% der Fälle, dass eventuelle Missstände oder bedenkliche Geschehnisse der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden.
Da jedoch die Auszählungen an sich öffentlich sind, darf grundsätzlich jeder Bürger diesen bei Bedarf gerne als unbeteiligter Zuschauer beiwohnen, solange der Ablauf nicht gestört wird. Die Geheimhaltungsverpflichtung gilt nicht für solche Personen und ich persönlich fände es super, wenn es 2017 in unserem Wahllokal erstmals seit vielen Jahren stille Beobachter gäbe. In erster Linie verantwortlich für einen korrekten Ablauf bin immernoch ich, aber es kann auf jeden Fall nicht schaden, wenn noch ein paar zusätzliche Augenpaare den Auszählprozess im Visier behalten (Fotos vom Wählerverzeichnis, den Wahlscheinen und/ oder anwesenden Personen ohne deren Erlaubnis dürfen aber dennoch nicht angefertigt werden)
Mir ist diesbezüglich auch ein Fall zu Ohren gekommen, wonach eine Beisitzerin in einem anderen Bezirk mal bei einer vergangenen Wahl versucht haben soll, einige Stimmzettel einer von ihr offenbar ungemochten Partei unauffällig verschwinden zu lassen, was aber dann wohl einem aufmerksamen Beobachter noch rechtzeitig aufgefallen sein soll. Krasse Sache! :(
Um solche Fälle von vornherein unwahrscheinlicher zu machen, habe ich mir schon etwas Passendes für meine Beisitzer überlegt, womit ich sie dann am Sonntag Abend überraschen werde.*

Auf den Wahlausgang bin ich auf jeden Fall schon sehr gespannt.
Ihr ebenfalls?


* Die entsprechende Auflösung gibt's an dieser Stelle natürlich auch noch - allerdings erst nach der Wahl ;)

Kommentare:

  1. Bei uns lagen in den Wahlkabinen im Rathaus in diesem Jahr erstmals Lackstifte. Also sieht aus wie ein Blei- oder Buntstift, ist aber so ein komischer Lack... Richtung wasserfester Kajal, bombenfest. Hab bestimmt dreißig Sekunden intensiv den Stift begutachtet und auf umherliegendem Papier rumgekrozelt bevor ich dann mit ihm Kreuzchen gemalt hab :D

    Marc ist auch Wahlhelfer und hat morgen die Schichten von halb 8 bis 12 und dann wieder ab 18 Uhr zum Auszählen. Mal schauen ob ich mit "beisitzen" gehe. Auf's Ergebnis und die ersten Hochrechnungen bin ich definitiv sehr gespannt.

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    1. Lackstifte habe ich bisher noch nicht erblickt, aber klingt auf jeden Fall schon mal interessant. Könnten die jedoch durch (acetonhaltigen) Nagellackentferner evtl. nachträglich 'bearbeitet' werden? 

      Wie du siehst, hab ich den Liebsten und mich in die Spätschicht eingeteilt. Dadurch konnten wir dann auch direkt selbst noch unser Kreuzchen im Wahllokal hunderte Meter entfernt setzen und mussten direkt mal entsetzt feststellen, dass dort das Wahlgeheimnis überhaupt nicht gewahrt werden kann. Nicht nur, dass man an einem der Tische ein riesiges Fenster direkt im Rücken hat (super einsehbar für diverse Drohnen), ein weiterer Tisch stand auch noch vor einem kleinen Etwas, das sich kaum als Wand bezeichnen ließe (eher als Mauervorsprung) und wo man als Zuschauer von hinten einen ziemlich guten Blick auf die gerade auszufüllenden Stimmzettel werfen kann. Katastrophal!

      Auf meinen entsprechenden Hinweis hin entgegnete man mir genervt, dass die Räumlichkeiten nichts anderes zuließen (das will ich ehrlich gesagt auch gar nicht bestreiten) und man da halt jetzt auch nichts mehr dran ändern könne -.-

      Jetzt stellt sich mir bloß noch die Frage, welche offizielle Stelle man diesbezüglich informieren sollte. Das Wahlamt vielleicht? Hm ... haben dessen Leute nicht eben jene Location ausgesucht? :D
      @all: Any ideas?

      Auf jeden Fall hab ich bisher noch nie einen dermaßen ungeeigneten Wahlraum gesehen, der nach praktisch allen Seiten offen ist. Selbst das Zimmer mit dem unverhüllten Seitenfenster, durch das man vom Vorraum aus wunderbar in die äußerste Kabine und auf die gerade bearbeiteten Stimmzettel schauen konnte (2014 erlebt), ist im Vergleich noch relativ harmlos gewesen. Übrigens war das im gleichen Pflegeheim - nur eben am anderen Ende.

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    2. Ne, nicht so Lack... schwer zu beschreiben, sie waren quasi wie ein Kajal. Entfernen kann man das nur noch indem man das Papier durchrubbelt - wie beim Kugelschreiber.

      Die Stühle mit dem Rücken zur Wand und um den Tisch rum diese Pappaufsteller sollte doch in jedem Raum möglichb sein? Bei uns sind die Wahlbüros alle in Schulen oder Kindergärten untergebracht, die ja, lucky kids, auch mit vielen und großen Fenstern ausgestattet sind. Aber die "Kabinen" so bauen, dass keiner reingucken kann ist trotzdem möglich. Da hat vielleicht einfach keiner Lust auf großes Rumgeschiebe gehabt...

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    3. Bleistifte sind übrigens erlaubt, hat Marc mir mitgeteilt. Die Frage kam bei ihnen im Wahlbüro nämlich auch auf.

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    4. Klar sind die erlaubt, aber Tatsache ist eben auch, dass diese Stimmzettel relativ einfach nachträglich bearbeitet werden können. Daher finde ich Bleistiftkreuzchen immer etwas heikel. Bei uns gab es aber keinen solchen Fall (dafür aber mal bei einer zurückliegenden Kommunalwahl) und ich hab natürlich auch regelmäßig unsere vier Kabinen kontrolliert :)

      P.S.: Wie fand Marc denn eigentlich den Wahlhelfereinsatz? War es sein erstes Mal?

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    5. Er fand es gut - und ist am 8., seinem Geburtstag, grad wieder dran, in Sachen OB wird es zur Stichwahl kommen.

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  2. Was es nicht alles gibt!
    Bei uns gibt es vier Wahlkabinen aus Sperrholz o.ä., ca. 2,20m hoch, ca. 1m³ groß, drei Seiten aus Holz und der Eingang ist ein Vorhang, der ggfls. von einem Wahlhelfer noch "ordentlich" zugezogen wird, wenn man selbst etwas nachlässig war.
    Dieses Mal habe ich vor dem großen "run" gewählt - um 8.15 war ich durch. Schlange stehen, wie bei der letzten Wahl hatte ich wirklich keine Lust.

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    1. Interessant, wie unterschiedlich die Wahlgrundsätze in den einzelnen Wahlbezirken eingehalten werden.

      Wir waren übrigens die allerersten Wähler in unserem Wahllokal, weil wir da grad auf dem Rückweg von unserer Wahlhelfereinteilung gekommen sind und das direkt verbinden wollten. Weit und breit war auch erstmal kein anderer Wähler in Sicht :)

      Ich befürchte übrigens, dass die Vorsteherin unsere Kritik an der gewählten Örtlichkeit nicht im Protokoll niedergeschrieben hat. Hätte sie jedoch zwingend tun müssen (nur wer protokolliert gerne eigene Fehler?!?).

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